Oman, die Zweite…

Hallo miteinander,

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ja bereits Marcus, 007 einen ausführlichen Bericht über das schöne Reiseland Oman geschrieben…

Nun hat es sich kürzlich zufällig ergeben, dass ich auch einen Abstecher dorthin unternehmen konnte. Ich kann seine positiven Eindrücke nur bestätigen und war mehr als beeindruckt von der Vielfalt, der schönheit, der Weite und von den netten und absolut entspannten Menschen in diesem Land!

Meine Route führte durch unterschiedlichste Gebiete in der nördlichen Hälfte des Landes, da zwei Wochen leider zu kurz waren, um unter dem Motto „No plan is a good plan“ auch noch den Süden zu erkunden. Das hebe ich mir fürs nächste mal auf…

Meine Aufmerksamkeit war natürlich nicht nur auf Land und Leute gerichtet, sondern zu einem großen Teil, wie kann es anders sein, auf die zahlreichen alten Toyota Pickups, die dort meist noch als Fischers bester Freund ihre Dienste verrichten.

Dazu gibts auch dementsprechend Bildmaterial… und bevor ich jetzt noch zuviel verrate, oder Marcus Inhalte wiederhole, kommen wir doch gleich zur sache : Bilder sagen mehr als Text. Viel Spaß!

Ach ja, zum Mietwagen wollt ich noch etwas loswerden:

Also man hat ja gewissermaßen eine Art Erwartung gegenüber neuartigen Fortbeweungsmitteln, insbesondere wenn es die Enkel von unseren alten und altbewährten (!!!) Modellen aus dem Hause Toyota sind…

Tja, was soll ich sagen, ich würde gerne etwas anderes berichten, aber mir fällt einfach nur der Begriff „Behelfskirmes“ ein, wenn ich an so manche Stunde denke, in der unser 200er Landcruiser anstatt von H4 in L4 zu schalten, einfach nur stoisch gepiept und geblinkt hat und damit dem Fahrer ein ganz deutliches LMAA zu verstehen gab! auf jeden noch so einfallsreichen Versuch des Fahrers, diesen schwachsinnigen Computer zu überlisten kam jedesmal nur Piep Piep Piep Piep… Leute, was habe ich mir meinen Knüppel gaaanz rechts außen im J4 gewünscht, der die Handbewegung des Fahrers einfach direkt ins Getriebe überträgt und nicht per Drehknöpchen, Leuchtdiödchen, Käbelchen, Piepgeräuschchen einen Befehl versucht an die Zuständigen Zahnräder zu senden, der auf mindestens soviel wie den soeben genannten Umwegen um- und abgelenkt wird und einem Kapitän beim Geländefahren das Leben zur Hölle machen kann !!! Das KANN doch nicht Stand der Technik, geschweige denn der Ernst der Autoindustrie sein, oder ? Ich wähnte mich 2 Wochen öfter in einem Scherz sitzend, als einen Landcruiser zu fahren! Die Kirmesanwandlungen vollführte er nämlich auch mit Vorliebe und völlig willkürlich beim Startvorgang (übrigens per Knopfdruck und nur bei durch die Spritzwand getretenem Kupplungspedal), den er sich ab und an ohne jeglichen Grund einfach weigerte durchzuführen. Gut, dass Urlaub war, sonst hätte dieser rollende Computer eine gewollt ungewollte Kaltverformung erfahren, auf dass ihm die Lust an den einprogrammierten Unterhaltungsdarbietungen schalgartig vergangen wäre! Da träumt man nicht mehr von einem J4, man lechtzt nach ihm !!!

Also ein gutes Haar will ich dann aus Mitleid doch noch an diesem Plastikschiff lassen: er hat uns mechanisch gesehen nicht im stich gelassen, hat Hitze, Staub, schwerem Gelände, dem ein oder anderen Aufsetzer, Flussdurchfahrten und vielen anderen Strapazen ohne Mucken standgehalten. Das scheint er vererbt bekommen zu haben.

Ansonsten muss man wahrscheinlich ein moderner Mensch sein, um diese Generation von Landcruisern verstehen zu können 🙂

Was solls, der Trip in den Oman war grandios und ich kann mich Marcus nur anschließen und jedem empfehlen, dieses wunderbare Land einmal zu erkunden! Auf gehts 😉

Gruß Felix, 011


Alpen im August 2012

Felix, 011

Die diesjährige Anzahl an gefahrenen Kilometern mit dem FJ war zwar bereits im Juni schon nicht
mehr gering, doch irgentwie war ich noch nicht zufrieden und musste nochmal los…

Die 6 Tage, die ich zuvor mit einem alten Freund in der Gegend unmittelbar südlich des
Mont Blancs verbracht hatte, waren hinsichtlich der Panoramen und der unberührten Natur
äußerst imposant gewesen und weckten den Hunger nach mehr. Also stand recht schnell eine Richtungfest, nur sollte es dieses mal noch viel weiter nachSüden gehen.
Der erste Pass war diesmal der Col du Pillon, gefolgt vom Col de la Croix. Des weitern lagen
auf der Strecke richtung Süden der Col des Planches,  Col du Tronc und der Col du Lein. Diese
waren noch keine Highlights, sind aber eine schöne Alternativstrecken zu öden Asphaltstraßen.

Leider hat das Wetter dort noch gar nicht mitgespielt und sorgte für eine gewisse „Na das fängt
ja toll an – Stimmung“ bis zum kleinen St. Bernardpass. Dort nahm ich dieses mal auch eine
etwas andere Route als gewohnt und bin von dem kleinen Ort Morgex über den Colle San Carlo nach
La Thuile gefahren. Von dort aus dann die gewohnte Serpentinenstrecke über den kl. St. Bernard nach
Frankreich, bzw. Bourg st. Maurice.

Von Dort ging es dann zum ersten „großen“ Pass, dem Col de L’Iseran. Das wetter war mittlerweile
besser, aber immer noch lange nicht gut genug, da die Gipfel immer noch in Wolkenschwaden hingen
und somit ein beeindruckendes Panorama, wie es so nur zu erahnen war, verhindert wurde.
Irgentwo weit abseits der Passstraße, einigen Skipisten folgend ,habe ich dann mein Nachtlager
aufgeschlagen, während das Wetter immer nebliger wurde.

Am nächsten Morgen traute ich meinen Augen kaum, als ich durch meine BW-Zelt-Gardine nach draußen
lukte und ein in Morgenröte getauchtes Gipelpanorama erblickte, das nicht zu überbieten war.
Keine Wolke am Himmel und endlose Fernsicht. So muss es sein!

Mit diesen herrlichen Ausblicken ging es nun weiter über die Scheitelhöhe des Iseran.
Natürlich nicht ohne das schon von etlichen Passbesteigern veröffentlichte Bild direkt
vor der steinernen Kapelle und dem Höhenstein zu knipsen.
Im weiteren Verlauf die Südrampe des Iseran, mindestens genau so schön, wie die Nordseite,
nur grüner. Ein wirklich empfehlenswerter Pass für alle, die mal in der Nähe sind.

Weiter ging es zum ersten Hauptziel, die Region um den Lac du Mont Cenis. Dort traf ich nun auch
endlich auf die ersten Schotterpisten und Off Road Passagen. Das wetter hat weiterhin bestens
mitgespielt und so wurde dieser Abschnitt zu einem grandiosen Erlebnis – s. Bilder.

Von Lanslebourg ging es auf die Nordrampe des Col de Mont Cenis. Kurz vor seinem Scheitel bin ich
rechts in ein unscheinbares Natursträßchen eingebogen, das zum Fort de la Turra führt. Sehr schöne
Strecke mit atemberaubender Aussicht in alle Richtungen vom Fort aus.

Danach bin ich noch auf den Col du Petit Mont Cenis gefahren. Er ist eine Sackgasse, aber ein
lohnender Abstecher.

Zurück Richtung Lac du Mont Cenis und an dessen Südufer einen Pfad entlang, später über enge
und sehr grobe Schotterwege, auf denen u.A. ein Hangrutsch mit mal etwas größeren Felsbrocken
zu überwinden war, entlang zum Lac de Roterel.

Für den weiteren Verlauf der Tour war eingentlich nun die Asietta Kammstraße angedacht, doch musste
ich bei einer ausführlich erklärenden Verkehrstafel die Feststellung machen, dass heute einer der
Tage im August war, an denen sie geschlossen ist. Am nächsten Tag sollte sie wieder offen sein.
Ich befand mich in der kleinen und gemütlichen Ortschaft Susa, die sehr zentral zwischen vielen
interessanten anfahrbaren Alpenwegen liegt. so war es nicht schwer, den Plan umzudisponieren und
erstmal ein weiteres Hauptziel anzusteuern, die Route über den Mont Pramand und den Mont Jafferau.

Was nun folgte, war in einer Weise faszinierend sowie überwältigend, dass ich mich auf dem Gipfel
des Jafferrau ernsthaft fragte, ob ich nun auf einer Erhebung der Alpen oder auf einem Massiv mitten
in den Anden gelandet bin! Von dem Aussichtspunkt des Monte Pramand, der das durchbombte
Dach eines alten Forts ist, hat man einen faszinierenden 360 Grad Blick auf etwas befremdlichem
untergrund, was der ganzen Szenerie etwas außerirdisches verleiht.

Entlang einer schmalen schottertrasse mit ebenfalls wunderschönen Ausblicken, sowie gelegentlichen
Hangabrutschungen und einem 850m langen, sehr engen Tunnel, der an eine Tropfsteinhöhle erinnert, da
es dort unablässig von der Decke regnet, ging es weiter richtung Westen zum Jafferau.
Je höher man kommt, desto abwechslungsreichere Panoramen zeigen sich. Kurz so: links grün, rechts
braun-grau. Dazu ein immernoch wolkenloser Himmel und die reinste Luft, die man sich vorstellen
kann – wenn man den 2F mal kurz abgestellt hat 🙂
Irgentwann kommt der letzte Abschnitt zum auf dem Gipfel gebauten und mittlerweile verfallenen
Fort, der sich in Serpentinen empor windet, den man aber auch abkürzen kann, indem man
einfach geradeaus hochfährt. Das allerletzte Stück zum roten Gittermast ganz oben kann nur
schwindelfreien Kapitänen empfohlen werden, da es sehr schmal ist, Neigung hat und einseitig ins
Endlose steil abfällt. Zumindest bei trockenem Wetter jedoch ohne Probleme fahrbar.
Neben besagtem Gittermast zu übernachten, war schlichtweg herrlich und maximal erholsam!

Am nächsten Morgen war leider nur kurz Zeit, mal eben den Sonnenaufgang auf Zelluloid, bzw. Digital
chip festzuhalten und mal kurz etwas zuckerhaltiges einzuwerfen, denn es war kurz vor 7 und um 9
machte laut Verkehrstafel in Susa die Asietta Kammstraße wieder zu, die ja am Tag zuvor gänzlich
geschlossen war. Angeblicht ist sie nur an den offenen Tagen bis 9 und wieder ab 17 uhr geöffnet, was glaub
ich von den italienischen Schrankenwärtern nicht so ganz eingahalten wird… naja, das weiß man eben
vorher nicht genau und somit waren die 2 Stunden zwischen 7 und 9 sehr knapp, da ich immerhin die
25km Schotterpiste vom vorigen Tag zurück musste, gute 20 km noch durchs Tal, bis zum Einstieg des
Col de Finestre, der mal eben mit 1650 zu überwindenden Höhenmetern und 65 ziemlich engen Kehren
aufwartet. Das obere stück dieses passes ist Schotterpiste, was nicht gerade demjenigen entgegenkommt,
der es eilig hat. Nun war es zwar noch früh genung, um keinen großartigen Verkehr vorzufinden, jedoch
hinsichtlich der 9 uhr Marke sehr knapp, als ich um 8:20 kurz hinter Susa auf den Wecker blickte.
Egal- es musste klappen. Zweite Gang rein, Bleifuß bis weit in die zweite Vergaserstufe und mit
60 Sachen den Finestre raufgeflogen! Manchmal kann man da doch nen paar von den 136 Hottehühs unter
der Haube gebrauchen, auch wenn sie sich manchmal gut zu verstecken wissen. Wenns drauf ankommt
sindse da.
Kurz gesagt: um 9:02 stand ich an der weit geöffneten Schranke zur Asiettapiste. Ich wäre
weit früher da gewesen, wenn nicht noch hinter dem Scheitel des Col de Finestre eine ausladende
Kuhherde doppelt zu passieren gewesen wäre, die den Zweck eines Weidezaunes nicht so ganz verstanden
zu haben schien. Man kann sich in solchen Momenten nur schwer entsinnen, was unter dem Begriff
Nervenkostüm gemein hin zu verstehen ist. Selbiges hatte ich da nämlich nicht mehr – das ziel greifbar
nahe, 8:51 und Kuhschritttempo auf den letzten Serpentinen…
Naja, Ende gut alles gut, an der Schranke war keine Spur von einem Wärter, und das war es offensicht-
lich den ganzen Tag lang nicht, denn während der gesamten Strecke von über 36 km entlang der Assietta
Höhenstraße kamen immer wieder aus meiner Richtung Motorradfahrer, die mich überholten.
Die Asietta war ein weiteres Hauptziel auf meiner Route und wirklich wärmstens zu empfehlen! Es gibt
Abzweigungen,  an denen man die strecke variieren kann, sowie einie Abstecher ins ungewisse, die zu
den oder anderen Adrenalinausschüttungen beitragen… Diese stehen dann auch nicht mehr in Wegeführern,
man muss die augen offen halten, um sie selber zu entdecken. Außer ihren meißt anspruchsvollen passagen
bieten sie oft die besten ausblicke.

Das Wetter war weiterhin sagenhaft. Um einem in alpinen Regionen häufigen, unverhofften Wetterumschwung
zuvorzukommen, habe ich mir die ein oder andere Pause verkniffen, um möglichst viel bei diesem
Spitzenwetter noch mitzunehmen. Es stand noch viel auf dem Programm, obschon sich mittlerweile soviele
tolle Eindrücke addiert hatten, dass sich die Tour schon bis hierhin gelohnt hätte.

Als nächstes ging es nochmal ein Stück zurück Richtung Susa bzw. Bardoneccia. Von dort führt ein
Sträßchen vom Ort hinauf auf den Colle Sommeiller mit stolzen 3010 Metern. Er ist auch nur von einer
Seite befahrbar, da sich sein Endpunkt oberhalb eines breiten Gletscherbeckens befindet.
Dieser Pass ist definitiv eines der Topziele in den gesamten Alpen, nicht nur wegen seiner Höhe, sondern
vorallem hinsichtlich der zu erlebenden Natur- und Landschaftsvielfalt, der unglaublichen Schönheit
der Gebirgsformationen und nicht zuletzt wegen der endlosen Weite, die einem zu Füßen liegt, wenn man
noch etwas weiter hochkrabbelt, als es die Schotterpiste zulässt. Einfach unglaublich. Auch fahrtechnisch
hat der Sommeiller viel Abwechslung zu bieten.
Ein Nachteil ist allerdings seine Popularität, aufgrund derer viele Touristen zur Hauptsaison auf ihm
unterwegs sind und sich logischerweise hier und da in die Quere kommen. Bis auf LKWs ist eigentlich alles
unterwegs, was sich fortbewegen kann. Nur in den obersten Regionen, wo sich die Spreu vom Weizen
getrennt hat, kann man einigermaßen „alleine“ herumfahren.

Als nächstes Hauptziel war die Varaita-Maira-Kammstraße angedacht. Diese leigt ein gutes Stück weiter
südlich und ist über die verbindung des Col D’Izoard gut erreichbar.
Weiter über Chateau-Queyras und Casteldelfino, über den Colle dell Agnello mit 2746m.
Desweiteren liegen entlang dieser Verbindung noch ein paar interessante Anfahrpunkte,
wie z.B. Madonna di Catolivier auf 2105m, Colletto di Battagliola und Punta del Cavallo, 2290m.

Bei immernoch Spitzenwetter ging es dann zur Höhenstraße des Varaita-Maira-Kamm. Eine mit jedem Gefährt
passierbare Straße leitet zunächst in luftige Höhen aus dem Varaitatal und entlang über einen breiten
Höhenrücken. Nach einigen Kilometern kommt relativ plötzlich dann der interessante Abschnitt. Zunächst
bezieht sich das auf den Untergrund, der stellenweise ÄUSSERST grobschottrig ist und bei dem ich über
die Anschaffung der 255 85er Reifen abermals froh war. Mir 7,5ern sicherlich auch kein Problem, aber
die breiten Dinger „schlabbern“ einfach leichter über dickes Geröll.
Dann folgte die eigentliche Kammpassage mit abermals grandiosen Panoramen.
Leider zog dort aus der Ferne eine Dunstschicht empor, die später noch dichten Nebel bringen sollte
und sich sehr lange hielt.
Ich habe am Endpunkt, am Colle Bicocca übernachtet und gehofft, es würde am nächsten Tag besseres Wetter
geben. doch vergebens, am darauffolgenden Tag war die selbe dicke Suppe am Himmel. Wetter wie im Sauerland.

Nun das war nicht zu ändern, mit soetwas muss man sich irgentwie arrangieren.
Eigentlich stand nun die Maira-Stura-Kammstraße auf dem Plan, doch da sie unweit der Varaita-Maira
gelegen ist, war klar, dass das Wetter dort auch nicht besser war. Also wieder einen Plan B überlegen.
Im Süden, an der Mittelmeerküste wollte ich mir noch Nizza und Monte Carlo ansehen und von dieser Gegend
aus führte auch ein weiteres Hauptziel wieder Richtung Norden, nämlich die Ligurische Grenzkammstraße.

Aber der Reihe nach: Es ging zunächst Am Sturatal vorbei Richtung Süden. Vorbei am Tendapass, bei dem ich
erst durch den Tunnel gefahren bin, um möglichst schnell zur Küste zu kommen, da ich dort besseres wetter
erhoffte. Col de Brouis, Col de Baus (übrigens teil der Rally Monte Carlo) nach Nizza. Wetter war in der
Tat besser dort, doch die stadt, wie man sich denken kann, völlig touristenüberaufen. Also weiter entlang
des Kieselstrandes Richtung Grenzkammstraße.

Die Ligurische Grenzkammstraße ist ein besonderer Leckerbissen für alle OffRoad-Touristen. So lässt sie
sich wohl am besten in Kurzform beschreiben. Außerdem ist sie eine der längsten Einzelrouten in den Alpen
überhaupt. Ihre Strecke misst knapp 100km! Sowohl landschaftlich, wie fahrtechnisch hat sie darüberhinaus
alles zu bieten, was das Herz begehrt. Eine absolute Traumstrecke, die ich nur empfehlen kann… falls mal
jemand mit dem Landcruiser oder auch Enduro oder sonstwas in der Nähe am Strand Urlaub macht und
es ihm aus unerfindlichen Gründen langweilig werden sollte…
Man kann da sogar mit nem Kleinwagen drüberfahren, wie italienische Ureinwohner mit Fiat Puntos und anderen
unmöglichen Vehiceln täglich unter Beweis stellen. Es ist schon etwas befremdlich, wenn man kilometerlange,
SEHR grobschottrige Pisten mit Riesenrädern, optimiertem Fahrwerk und dergleichen gemeistert hat und am
Wegesrand steht mal einfach so mirnichts dirnichts so eine vierrädrige Schubkarre in der Botanik.
Wie der unterboden bei denen aussieht fragt man sich besser dann nicht…
Leider ist die Region um diese Straße häufig mit Dunst bedeckt, so auch bei meiner Überquerung. D.h.
vormittags war noch viel Sonne und ich war glücklich und zuversichtlich, dass das Wetter anhalten möge,
da ja in den vorherigen Tagen schon reichlich Nebel zu beklagen war. Gegen Mittag, bei der eisernen
Christusstatue, an einem Abstecher der Straße, hatten mich die Wolken wieder und die Stimmung sank entsrechend
tief. Es gab aber im weiteren Verlauf auch immerwieder Aufheiterungen, sodass das unbrauchbare Wetter
mit Kompromissen zu ertragen war.

Nach der Kammstraße hab ich es natürlich nicht ausgelassen, noch die alte Südrampe des Colle di Tenda
mitzunehmen, die zahlreiche, sehr enge Kehren hat, in denen man teilweise schon mit einem 40er Chassis
reversieren muss. Da war ich mal wieder froh, keinen 45er dort runterwuchten zu müssen. Das sind die kleinen
Vorteile der kurzen Versionen -auch wenn es im Innenraum immerwieder an Platz fehlt-
Das am Scheitelpunkt des Tendapasses gelegene Fort Central ist eine sehenswerte, imposante Ruine und eine
der größten ihrer Art mit mehreren Gebäudekomplexen.

Da das Wetter partout nicht besser werden wollte, habe ich mich entschlossen, auf direktem Wege über
Turin wieder weit nach Norden zu fahren, mit der hoffnung, dort bessere Sicht zu haben. In Turin bekam
ich kurz Internet und der Wetterbericht bestätigte dies. Also geradewegs ins Aostatal.

Dort gab es ein weiteres Haupziel, den höchsten anfahrbaren Punkt der gesamten Alpen mit über 3330m.
Er ist nur im Hochsommer zu erreichen, da sonst noch zu viel Schnee liegt. Im August war die perfekte
Zeit, für eine Chance auf eine Gipfelfahrt.
Von Chatillon aus geht es über eine Serpentinenstraße in ein größeres Skigebiet, was ich am späten Nachmittag
erreichte. Eigentlich längst Zeit, einen Nachtplatz zu suchen, aber wer weiß, wie das Wetter wird
und irgentwie ist man auch besessen von dem Gedanken, den Gipfel möglichst schnell zu erreichen, wenn man
schonmal mehr als die Hälfte des Weges hinter sich hat.
Der schottrige Aufstieg Richtung Matterhorn ist zunächst keine sonderliche Herausforderung, obwohl schon
in den unteren Abschnitten heftige Steigungen zu überwinden sind. Die Wegbeschilderung fällt dürftig aus,
das Beste ist, man orientiert sich an den Skiliftstationen. Der schotter und die Steigungen werden mit
zunehmender Höhe heftiger und so ab ca. 2500m Höhe spürt man auch langsam den Leistungsverlust von gut 20
Prozent, aufgrund der dünnen Luft. Letzteres wirkt sich so aus, dass ich tatsächlich in die Untersetzung
schalten musste, um weiterzukommen! 1. Gang, tw. war der 2. möglich.
Ab ca. 3000m ging es dann nur noch
untersetzt im 1. Gang !!! Das lag aber nicht mehr allein an der imensen Steigung, sondern
dort auch an den von Meter zu Meter schlechter werdenden Untergrundverhältnissen. Riesige Querrinnen,
breit und tief, die zu Hauf durch die Piste gezogen sind, gepaart mit sehr grobem Schotter, verlangen
Mann und Maschine das Letzte ab. Sicherlich wäre es einfacher gegangen, mit gesenktem Luftdruck in den
Pneus, aber die Zeit drängte, es wurde langsam dunkel und das Wetter spielte mal wieder wenig mit.
Die Temeraturanzeige im Tacho näherte sich dem imaginären roten Bereich und das war auch dem Vergaser
anzumerken, wenn bei geschätzten 3500 Umdrehungen und einer Neigung von ca. 40Prozent
entweder nur gekochter Sprit in Form von Gasblasen, oder ein purer Schluck Hochprozentiges in den
Schlund des 2F einschwappten. Das führt dann gerne mal zu Aussetzern…
Besonders viel Spass macht dass, wenn man mit Eifer und höchster Konzen-
tration im Begriff ist, eine der Ablaufrinnen ohne Diffsperre! hinzukriegen und durch das heftige
Schaukeln der eben beschriebene Worst Case eintritt und es nur kurz brsubb, brssssubb macht und dann
……Totenstille……. Das Bremspedal bis zum Anschlag gen Boden gepresst und noch schnell die
ohnehin dürftige Handbremse bis dorthinaus rausgeratscht, stand ich dann 20m vorm Ziel, ungewiss, ob
in dieser Lage überhaupt ein Anfahren wieder möglich wär. Ganz zu schweigen davon, ob die Hexenküche
von Schwimmerkammer einen Warmstart des 6 Zylinders erlauben würde… Beschissene Situation 😀
Gaspedal durchtreten, Schlüssel drehen, Kloioioioioioioioioioioioioing PÄNG! Gaspedal loslassen, Brassel,
Brumm, Blubber… puhh er lief zumindest wieder! Schonmal ein gutes Stück vom Glück…
Naja, irgentwie klappte auch das Anfahren trotz schlüpfrigen Untergrundes und gerade rechtzeitig,
bevor die Wolkenfront den Gletscher komplett hat einhüllen könnnen, war ich am Gipfel und konnte noch
ein paar interessante Fotos schießen. Eine Wetterlage, die so sicherlich nicht oft auf Bildern von dort
zu sehen ist.

Da oben, in 3332 m Höhe, kann man, ob mans glaubt oder nicht, in einem Hotelrestaurant gastieren!
Die Theodulhütte bietet Nahrung und Betten. Natürlich zu zur Höhe der Lage proportional hohen Preisen.
Aber die Spaghetti waren gut und reichlich und ein willkommenes Angebot, da man nach einem anstrengenden
Tag wie dem Letzten keine besondere Motivation mehr verspürt, noch die Outdooküche auszupacken.
Außerdem war es arschkalt und feucht wegen der tief hängenden Wolken.

Der nächste Morgen bot grandiose Fernblicke auf in Morgenrot getauchte Berggippfel, die einem ringsum
zu Füßen lagen. Ich überquerte mit den beiden Nikons zu Fuß den schmalen Scheitel des Gletschers, zu dessen
einer Seite man in die schweiz und dessen anderer Seite nach Italien schaut. Hinter mir die Theodulhütte
und da hinter emporragend die spitze Kuppe des Matterhorns – gigantisch!
Breite Gletscherspalten zwingen zum Blick auf den Boden, während man ununterbrochen in die Ferne sehen
möchte.

An diesem Tag hatte ich keinerlei große Ziele. Ich vergnügte mich noch mit dem FJ bei ein paar
Rockkrawling Einlagen an den oberen Südhängen unterhalb des Matterhorns, die zu sowas förmlich
einladen, da es Platz ohne Ende gibt und man sich im Prinzip nicht verfahren kann. Außer man setzt
irgentwo so unglücklich auf, das man nicht mehr vor oder zurück kommt. Das ist glücklicherweise nicht
passiert. Ein dicker Felsbrocken unter dem Heckdifferezial hat Warnung gegeben, dass es nun genung
war…
Entlang des Lago Goillet ging es zurück ins Aostatal. Dort gab es erstmal einen deftigen Temeraturshock
nach oben, was mich etwas müde machte und weßhalb ich an einem lauschigen Plätzchen im Tal auch bis zum
nächsten Tag verweilte. Unten waren es nämlich 35 grad während kurz zuvor noch maximale 5 grad in
windigen Höhen herrschten.
Außerdem breitete sich wieder dichter Dunst aus, der jeglichen Zielen die lebensnotwenige Fernsicht entzog,
also verpasste ich an jenem Tage nichts, wenn ich einfach mal faulenzte.

Am nächsten Tag war das Wetter unverändert: warm, diesig, sonnig.
Somit war klar, das hält sich wohl noch länger und so sehr viel Zeit hatte ich nun auch nicht mehr, also
fuhr ich Richtung Norden.

Auf dem Rückweg nahm ich noch den St. Gotthard mit seiner interessanten Nebenstrecke, der Tremolasraße
mit und machte einen sehr schönen Abstecher über ein kleines Natursträßchen, das direkt neben dem Süd-
portal des Gotthard-Passtunnels abzweigt.
Anschließend ging es über die sehr sehenswerte Furkastraße und über den Grimselpass weiter richtung
Deutschland.
Auf dem Grimselpass gibt es eine sogenannte Kristallgrotte, die sehr interessant
ist. Ich fand es faszinierend.
Benachbart ist ein Murmeltierpark errichtet, mit „Vogelhäusern“ für Murmeltiere. Eine drollige
Sache.
Landschaftlich ist die Furka-Grimsel Gegend einfach grandios! Es gibt einzigartige Formationen und
Perspektiven, wirklich eine Augenweide nach der nächsten! Allerdings sind alle Straßen asphaltiert,
aber das wird durch die optischen Qualitäten mehrfach ausgelichen.
Das Wetter war dort übrigens wieder genial.

So ging es mit tausenden wunderschöner Eindrücke und einer durch Panoramatherapie geheilten Seele
wieder in altgewohnte Gefilde, die man auch Heimat nennt.
Doch irgentwie wird durch solche Erlebnisse wie auf dieser Tour der Begriff „Heimat“ immer mehr dem
Unterwegssein im Landcruiser zugehörig…

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal