Im Reich von Sindbad dem Seefahrer

 

Urlaub, doch wo soll’s hin gehen? Beim Blick auf die Fotos mit unserem Land Cruiser im Sand kommen genug Erinnerungen hoch und das Kribbeln im Bauch fängt wieder an. Aber die Lage hat sich deutlich geändert, in Tunesien ist das interessante Sperrgebiet nicht befahrbar, Libyen und Ägypten können auch getrost für die nächsten Jahre von der Liste gestrichen werden, für Marokko braucht man schon fast eine Woche für An-und Abfahrt. Und Algerien- unbeschreibliche Landschaften, Sand genug, doch das wird wohl für immer nur ein Traum bleiben.

Doch zufällig bekommen meine Frau und ich eine Einladung von Pryka zum Trip nach Oman– Oman? Ja, jenes kleine Sultanat am Süd- östlichen Ende der arabischen Halbinsel. Pyraka? Guckst du!

Die Anreise ist mit dem Flugzeug machbar und wir mieten uns einen Land Cruiser Prado, also einen J12 oder J15, vor Ort über das Internet. Beim Packen gilt die Wage als maßgebendes Kriterium. Zelt, Isomatten und ein gewisses Minimum an Ausrüstung muss mit. Verpflegung gibt es vor Ort, trotzdem pendeln sich die Gewichte knapp unter dem Limit ein.

Um Muskat, die Hauptstadt Omans zu erreichen muss man in der Regel umsteigen. Wir wählten Amsterdam, da dies die günstigste Verbindung war. Dort treffen wir auch auf die anderen Mitglieder der Reisegruppe. Also auf zum Zoll und dann zum Gate. Wo ist der Zoll? Richtig, am anderen Ende des Flughafens, genau da wo die lange Schlange ist.

Wir erreichen so gerade pünktlich das Gate, dann geht es für die nächsten 8 Stunden Richtung Süden.

Bei der Ankunft gehen die Formalitäten erstaunlich schnell und unkompliziert von statten, da ist man aus Nordafrika doch anderes gewohnt. Auch das 10- Tage Visum ist kein Problem und so schlendern wir gegen 22:30 Uhr dem Ausgang des Flughafengebäudes entgegen. Hier wartet Jerzy auf uns. Die Begrüßung ist typisch polnisch, eben sehr herzlich. Wir freuen uns schon dass wir endlich die frische Abendluft genießen können und auch der reservierte Prado dürfte schon auf uns warten- ein Perfekter Start ins Abendteuer!

Doch es warten noch 2 kleine Überraschungen auf uns.

Erstens: Es kühlt sich nachts nicht wesentlich ab, es ist stickig, wir haben 28° und über 80% Luftfeuchtigkeit. Und zweitens, hat zu allem Übel die Mietwagenvertretung hat keine Schalter am Flughafen. Vom Prado oder einem Vertreter, keine Spur. Nach einigen Telefonaten und nur 1 ½ Stunden später bekommen wir unseren Land Cruiser ausgehändigt- doch auch das war nichts. Aus dem bestellten und reservierten Toyota Prado ist ein Mitsubishi Pajero geworden. Natürlich können wir das Fahrzeug am nächsten Tag umtauschen- dumm nur das wir dann schon 300km weiter sein werden.

Die anderen Gruppenmitglieder haben ihren reservierten Land Cruiser 200 in Empfang genommen. Jerzy fährt einen LandCruiser, genauer einen FZJ 105. Folglich sind alle Benziner und die Motoren machen Spaß. Auch der V6 im Pajero legt sich mächtig ins Zeug. Trotzdem sind wir enttäuscht, denn mit dem SUV befürchten wir Probleme im Sand.

Wie dem auch sei, der Tag war lang und anstrengend genug. Wir biegen irgendwo im Nirgendwo ab und übernachten an Felsformationen. Die Nacht hat sich nicht wirklich abgekühlt, das Thermometer blieb irgendwo bei 27°C stehen, morgens um 6 heizt die Sonne mächtig das Zelt auf.

Das erste Nachtlager! Willkommen!

Wir frühstücken und fahren mitten durch die Schotterwüste entlang wunderschöner Felsformationen.

Es gibt ständig neue Felsen zu entdecken die nicht nur durch ihre Form sondern auch durch die Größe beeindrucken.

Später drehen wir weg und begegnen der ersten Düne. Da wir schon mehrere Saharatouren gemacht haben, schaut man gespannt auf uns. Logisch das wir uns so eine schöne Düne nicht entgehen lassen. Der Plan ist einfach: an nicht so steilen und harten Seite einer 4m hohen Seitendüne lässig etwas Anlauf nehmen, mit der Leistung des Motors elegant über den Kamm fahren und oben dann den Pajero mit der Haube nach unten als schönes Fotomotiv zu präsentieren.

Wer kann so einer Verlockung wiederstehen?

Also schalte ich den 4WD Modus und nehme entspannt Anlauf und als ich den Sand erreiche gebe ich etwas Gas um den Schwung bis oben zu halten. Doch die eigentlich harte Seite der Düne ist butterweich, zudem bekommen die Straßenreifen hier keine richtige Traktion aufgebaut. Und es kommt noch schlimmer. Die Elektronik versucht durch heftigen Bremseingriff die Räder am durchdrehen zu hindern, Parallel wird der Motor gedrosselt- Fatal! Durch eine Angstwende und Runterschalten schaffe ich es so grade wieder zurück auf festen Schotter. Kurz, das war ein Griff ins Klo!

Wir fahren weiter und erreichen wieder eine Asphaltstraße wo wir weiter Richtung Empty Quater vorstoßen.

Nach 2 Tagen verlassen wir endlich das Asphaltband und biegen auf eine Piste ab. Zuvor haben wir noch eingekauft und gegessen. Es gab Reis mit Hähnchen und verschiedenen Soßen und Salaten- Fastfood auf Arabisch. Im Gegensatz zu den UFO’s -unbekannten Fleischobjekten-  amerikanischer Fastfoodketten, ist das hiesige Essen schmackhaft, günstig und macht tatsächlich satt. Auch der Pajero bekam seine Flüssignahrung. Bei einem Reisetempo zwischen 110 und 120 wurden zwischen 14 und 15l in den 6 Zylindern verbrannt. Wir sind angenehm überrascht, bei Preisen von rund 25ct/l wird die Reisekasse geschont.

Doch jetzt lassen wir Luft aus den Reifen um komfortabler auf der Piste fahren zu können. Bis hierhin war der Pajero ein angenehmer Begleiter, doch das ist auf dem Asphalt auch kein Problem. In den nächsten Tagen werden wir in dem Empty Quarter verbringen und den Mitsubishi mal gründlich auf den Zahn fühlen.

Es liegen nun rund 80km Schotter vor uns- natürlich feinstes Wellblech. Sind bei unserem Starrachs- Land Cruiser 65 bis 70 km/h ausreichend benötigen wir im Einzelrad aufgehängtem Pajero schon 80 km/h um über die Kuppen zu fliegen. Zudem hat das Fahrwerk des Mitsubishi keine großen Reserven, falls sich Schlaglöcher oder Bodenwellen zu dem Waschbrett gesellen. Jerzy wählt der Gruppe zuliebe ein Tempo um die 60km/h. Zu langsam, der Mitsubishi wird völlig durchgerüttelt und das komplette Armaturenbrett vibriert. Für uns zu nervig und  zudem Materialmordend- auch wenn es ein Leihwagen ist.

Meine Asia lässt sich zurück fallen um dann mit 80 bis 100 km/h der Gruppe hinterher zu jagen.

80km später tauchen mitten im Nichts 3 Zapfsäulen und ein Häuschen auf. Hier gibt es Benzin, wieder wird zur Sicherheit getankt. Doch es kommt regelmäßig vor, dass diese Tankstelle trocken liegt.

Hier mitten im Nichts sollte man die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen. Wohnlich ist anders!

Wir ziehen weiter, die ersten Verwehungen liegen auf der Piste, rechts und links tauchen kleine Dünen auf. Wir sind im Empty Quater angekommen. Empty Quater, jenes Wüstengebiet das sich mit den Dünenriegeln bis weit nach Saudi Arabien hinein zieht und völlig unbewohnt ist- daher der Name.

Und schon werden die ersten kleinen Dünen überquert. Nach den ersten schlechten Erfahrungen mit der Elektronik schalte ich nicht nur den 4WD Modus sondern sperre noch zusätzlich das Mitteldifferential. Beim Herunterfahren von den Dünen versucht das ESP den Wagen in der Spur zu halten- aufmerksam,  aber vergeblich. Wenn der Sand unter den Reifen die Düne herunter fließt kann die Elektronik auch nichts ausrichten. Als wir auf eine ca. 6m hohe Düne wollen und etwas Schwung aufbauen wird die Elektronik aktiv und wieder versuchen die Bremsen Schlupf zu begrenzen und auch der Motor wird brachial abgeriegelt. Also gut, jetzt bleiben uns noch 2 Optionen: Die Reduktion zu schalten um so die elektronischen Störenfriede in den Feierabend zu schicken oder schlimmstenfalls die entsprechenden Sicherungen ziehen. Wir haben Glück die Reduktion deaktiviert die elektronischen Spassbremsen, dafür müsse schnelle Tiefsandpassagen oder hohe Dünenaufstiege ausschließlich in der Reduktion gefahren werden, die aber zum Glück recht lang ausfällt.

Und gaaannz Wichtig: für das Nachtlager immer Feuerholz sammeln!

Das Nachlager schlagen wir geschützt am Fuß einer Düne auf. Ein lang ersehnter Wunsch wird war, als wir endlich wieder den Sonnenuntergang von der Düne aus genießen können.

das erste Nachtlager in den Dünen!

 

Und ab auf die Düne!

 

Der Ausblick entschädigt für alles.

Den Morgen beginnt standesgemäß! Erst wird der Pajero mit Blattfeder-Gang Fahnen beflaggt und dann startet Asia mit einer kleinen Abfahrt in den Tag! So gehört sich das im Sand!

So gehört sich das!

Jerzy folgt der Piste vom Vortag, denn sie führt uns immer tiefer in die Dünen. Somit treffen wir immer auf neue kleine Dünenfelder.

 

Die Piste ist natürlich beschildert, so wie es sich gehört!

Man hat halt die Wahl, entweder zwischendurch zu zirkeln oder vorsichtig zu Überqueren. Logisch, dass meine Frau die Spassvariante wählt und drüber fährt, während die Gruppe fleißig kurbelt.

Warum über die kleinen Dünen fahren, wenn rechts und links doch höhere Herausforderungen warten. Also nichts wie hoch vorsichtig über die Kuppe und die Abfahrt genießen. Doch die Praxis sieht wieder anders aus. Der Pajero setzt oben recht hart auf und steht wie fest betoniert.

Kaum zu glauben- aber selbst hier ist schon Scluss.

Die Bauchfreiheit ist geringer als geschätzt. Wir müssen schaufeln, während die anderen Teilnehmer die Schadenfreude im Gesicht steht. Der lange Hecküberhang gräbt sich am Ende der Abfahrt tief in den losen weichen Sand ein, doch der ist so geschmeidig dass nichts passieren kann. Endlich legt auch Jerzy den Schalter auf Spaß um und streift rechts und links über die Dünen.

 

Und so nehmen wir Anlauf die Dünen hoch. Der Benziner macht einfach nur Spaß und zeigt deutlich wo hier der Hammer hängt. Gut das der Mensch Ohren hat, denn sonst würden wir alle hier im Kreis grinsen. Klar, die Ziele werden schnell höher gesteckt. Mein Ziel ist ein Hochplateau auf halber Höhe der Düne.

Wer den kleinen LandCruiser entdeckt bekommt eine Vorstellung von den Dimensionen

Der Sand ist fest, und die Düne steigt langsam an, ich kann mit dem Mitsubishi richtig Anlauf nehmen. Also Reduktion raus, H4 rein und dem Motor ordentlich die Sporen geben. Bei Tempo 90 geht es hoch. Die Drehzahl fällt, ich schalte schnell runter und merke jetzt so langsam wie steil die scheinbar harmlose Auffahrt wirklich ist. Ich schalte in den 2. runter. Mit zunehmender Steigung werden wir mehr und mehr in die Sitze gepresst, doch der V6 zieht dass es eine Freude ist. Oben angekommen wende ich und halte an. Die Land Cruiser der anderen Teilnehmer haben Spielzeugformat, denn wir sind ca. 100m über ihnen! Dadurch dass hier alle Dünen so hoch sind und es keine optischen Vergleichsmöglichkeiten gibt, verschätzt man sich schnell bei den Dimensionen. Und die Abfahrt hinunter- sie wird zur Rennstrecke!

Wir kommen tiefer in die Dünen und suchen einen Überstieg. Kurz bevor wir Pause machen wollen passiert was nicht passieren darf. Jerzy nimmt Anlauf und fährt um einen großen Kessel herum parallel zum Kamm. Doch unterhalb des Kamms gerät er mit den Außenreifen in Weichsand. Er kann nicht viel machen, es zieht den Wagen herum und er durchbricht den Kamm. Wir eilen zur Hilfe herbei. Der Land Cruiser steht auf der anderen Seite des Kamms, quer zur Falllinie in einer Beängstigen Schräglage. Wir helfen den Leuten aus dem Haveristen.

Das Popmeter hat schon längs Alarm geschlagen, also nichts wie raus aus dem Cruiser!

Noch steht der TOYOTA, aber die Zeit ist eindeutig gegen uns. Langsam aber unaufhörlich rieselt unterhalb des Cruisers der Sand die Düne herunter. Das der TOYOTA kippen wird ist nur eine Frage der Zeit. Also muss er schnellstens gesichert werden, sonst wird er verloren sein. Erst dann können wir uns in Ruhe Gedanken über die Bergung machen.

Das was den Cruiser hält ist der Sand an der Seite, doch der rieselt kontinuierlich herunter.

Schön das meine Frau und ich eingespielt sind und eine klare Aufgabenteilungen haben. Sie weist mir den Weg und ich sehe zu dorthin zu kommen. Trotz der Leistung und des Schwungs muss ich zweimal den Kessel hinunter bevor es mir gelingt mit dem Mitsubishi nah genug an den Kamm heran zu kommen. Danach spannen wir einen Gurt zwischen den beiden Fahrzeugen. Endlich ist der LandCruiser gesichert und wir können in aller Ruhe den nächsten Schritt überlegen.

Endlich gesichert! Jetzt arbeitet der Sand für uns.

Einzige Möglichkeit: Den Sand unterhalb des Vorderrades so wegschaufeln und zwischendurch den Gurt etwas entspannen, so das sich das Fahrzeug wieder senkrecht zur Falllinie dreht.

Also Schaufel raus und ran. Bei Temperaturen weit jenseits der 40° in der prallen Mittagssonne ist das Schaufeln alles andere als ein Vergnügen und es dauert fast 2 Stunden bevor Jerzy endlich wieder sein Fahrzeug die Düne hinunter fahren kann. Nach getanem Werk wird uns deutlich wie unvernünftig es war in der Mittagssonne zu schaufeln. Jetzt würden wir bis zum kühleren Abend warten.

Wir fahren wieder hinaus aus dem Dünengebiet und schlagen unweit des vorigen Camps das Nachtlager auf. Doch noch ist kein Feierabend , denn aller drehen noch die eine oder andere Spaßrunde.

Spaß muss sein, und auch überall zu finden.

Jerzy montiert uns eine HD- Kamera auf dem Dach des Mitsubishi und bittet uns eine ausgiebige Runde in den Dünen zudrehen. Also ran ans Werk! Die ersten kleinen Dünen stellen kein Problem dar, bei der nächsten höheren versuche ich durch gezieltes Bremsen die Spitze zu planieren. Doch denkste, zu schnell sitzt der Wagen auf und wieder muss geschaufelt werden.

Als wir abends den Tag Revue passieren lassen werden wir von den anderen Teilnehmern prompt darauf angesprochen, das das Konzept der SUV hier scheitert. Klar, mit hohen Reifen und einer passablen Höherlegung würde die Welt hier anders aussehen. Und wir denken wehleidig daran was mit unserem 75-er trotz weniger Leistung hier möglich wäre.

Die Straßenreifen sorgten immer wieder für Zwangspausen und verlangten Abends ein wenig Zuwendung

Wir haben eigentlich einen schönen Abend, aber es kühlt sich nicht ab und ein warmer Wind bläst. Als die Sonne unter geht zeigt das Thermometer immer noch Temperaturen jenseits der 30° an. Und zudem legt der Wind kontinuierlich zu. Es ist mehr und mehr Sand in der Luft, an ein gemütliches Zusammensitzen ist nicht zu denken. Wir ziehen uns in die Zelte zurück. Vorsorglich buddele ich die eingeschlagenen Heringe ein, damit der Wind sie nicht frei bläst.

Trotz der hohen Temperaturen müssen wir bald das Zelt komplett schließen, denn der Wind weht immer stärker und pustet den Sand durch jede Öffnung.

Auch für Individualreisende gibt es Situationen bei denen der Pauschalurlauber mit klimatisiertem Hotelzimmer, Bar, Pool und WLAN klar die Nase vorn hat. Wir frönen in unserem Zelt der Naturgewalten, denn mittlerweile tobt draußen ein heißer Sturm. Es ist staubig, der Zeltstoff flattert immer stärker und der Sand peitscht vor das Zelt. Also raus, weitere Heringe schlagen und Sturmleinen spannen. Es ist warm und wir liegen halbnackt auf den Schlafsäcken. Zudem muss der Pajero als Windschutz vor dem Zelt herhalten. Trotzdem gelangt immer noch etwas Sand durch die Zwangsbelüftungen ins Zelt. Es ist schwülwarm und wir liegen halbnackt auf den Schlafsäcken und können nur ausharren. Unsere Gedanken sind bei den 2 Mitgliedern die draußen biwakieren…

Nach über 3 Stunden legt sich der Sturm und endlich kühlt es sich ein wenig ab. Wir öffnen erleichtert das Zelt und schlafen schnell ein.

Der Morgen danach gibt den Blick auf die Sandlandschaft in unseren Zelten frei. Wir haben Glück gehabt, das der Sturm erst gegen Abend aufkam, und sich echt schnell wieder gelegt hat, denn an eine Weiterfahrt ist bei Sandsturm nicht zu denken, genauso wenig wie an einem Aufenthalt im Zelt.

Das kleine bischen Sand das immer eindringt...

Draußen zeigt die Wüste ihr neues Gesicht.

So verlassen wir heute wieder die Wüste und fahren die nächsten Tage der Küste entlang, begegnen tollen Landschaften, traumhaften Küstenabschnitten, bevor wir wieder die Straße Richtung Dünen verlassen.

Cinamon Desert- die Zimtwüste.

Cinnamon desert, je nach Sonnenlicht gibt es unglaubliche Motive

 

Schnell wird klar warum Jerzy dieses Dünengebiet so nennt: der Sand ist zimtfarben, die grünen Baume, die ihre Feuchtigkeit aus dem morgendlichen Tau beziehen, heben sich mit ihrem satten Grün malerisch ab. Und hier gibt es auch ausreichend Holz für ein gemütliches Lagerfeuer im Sand. Die Temperaturen sind moderat und die Dünen geben uns Schutz vor dem Wind. Wer die Stimmung kennt, der weiß, es wird spät bevor wir uns in den Zelten befinden.

Am Morgen wollen wir noch mal unserem SUV ein wenig Abendteuer gönnen. Ich laufe vor, planiere die spitzen Dünenkämme und meine Frau folgt der Spur. Endlich bekommen wir das Feeling vom Dünenfahren- aber mit welchem Aufwand!

Endlich können wir dem SUV das Bühnenfahren beibringen, doch bei der Bauchfreiheit sinnlos.

Doch nicht nur die Freude am Fahren oder der Spaß am Sandschaufeln treibt uns voran, nein es gibt noch besondere Fotomotive. Die grünen Bäume heben sich im Morgenlicht besonders hervor und scheinen irreal und deplatziert vor den trockenen Sanddünen. Doch so malerisch es hier ist, über den Bäumen schwebt ein Damoklesschwert. Die Dünen wandern unaufhaltsam mehrere Meter pro Jahr und alles was sich ihnen in den Weg stellt wird unweigerlich unter ihnen begraben.

Vor einem Jahr stand der Baum noch 5 meter vor der Düne!

Ein Blick auf Kalender und Karte lässt noch einen kleinen Abstecher als Badeurlaub zu. Und wo sind hier malerische Strände und warmes Wasser? Auf der Insel Masira ein Geheimtipp für Taucher! Also nichts wie hin. Bei der Hinfahrt feilschen wir mit den Kapitänen, wer uns mit nimmt und zu welchem Kurs, denn gesetzlich vorgeschriebene Preise gibt es nur für die Rückfahrt!

Und tatsächlich, treffen wir hier im Süden der Insel auf weiße Strände. Nachts erwachen sie zum Leben, wenn tausende Einsiedlerkrebse zum Wasser laufen. Und noch ein einzigartiges Naturschauspiel kann man hier beobachten. Je nach Jahreszeit gibt es hier Illuminierende Algen. Sie lassen nachts die brechenden Wellenkämme in einem hellen Grün erleuchten. Ein Traum!

Zum Baden finden wir perfekte Bedingungen. Traumhaft klares Wasser, bunte leuchtende Fische und weißer Sand mit dunklen Felsen laden gerade zum Schnorcheln ein. Bei 28° Wassertemperatur ein besonderes Vergnügen!

Masira ein Naturtraum!

 

Freizeit, entspannen!

ein wirklich schöner Tag geht zu Ende

Nach dem kurzen Badeurlaub müssen wir wieder zurück nach Muskat, unser Visum läuft aus und auch der Flieger wird nicht wirklich auf uns warten. Und natürlich gibt es bei der Rückgabe wieder Probleme mit dem Vermieter, der auch nach mehreren Telefonaten erst gar nicht am Flughafen erscheint. Jerzy regelt das schnell: den Pajero erst gar nicht abschließen, den Schlüssel im Handschuhfach lassen und auf zum Gate. Wir verabschieden uns wieder sehr herzlich von Jerzy und vom Pajero- wenn man von den Problemen im Sand absieht war ein guter Reisebegleiter, an dem alles tadellos funktionierte.

Schon im Flieger schwelgen wir in Erinnerungen und wissen nun, dass der Oman eine gute Alternative zu Nordafrika ist.

Marcus 007a

 

Infos zum Oman:

Allgemein:

Das Sultanat Oman liegt an dem südwestlichen Ende der arabischen Halbinsel. Es ist in etwa so groß wie Deutschland, hat aber nur ca. 2,5 mio. Einwohner. Die Hauptstadt ist Muskat, die in einer Bucht, direkt vor dem steil abfallenden Hadschar-Gebirge, am Golf vom Oman liegt. Das Landesinnere ist sehr dünn besiedelt und ist größtenteils Schotterwüste. Große Dünengebiete sind nur im Norden Omas, dem Empty Quater, zu finden, der weit nach Saudi- Arabien hinein reicht.  Das Land verfügt über ein ausgedehntes Straßennetz. Die Straßen sind durchweg im gutem bis sehr guten Zustand und werden kontinuierlich gepflegt und auch in Stand gehalten.

 Wetter:

Muskat selbst hat eine extreme Wetterlage. Die Höchsttemperaturen werden vormittags erreicht und liegen im Sommer oft über 40°C liegt. In Verbindung mit der sehr hohen Luftfeuchtigkeit von teilweise über 80% ergeben das gefühlte Temperaturen von über 50°C. Im Sommer kühlt es sich nachts oft nicht unter 33°C ab. Darum gilt für das Sulternat und besonders für Muskat als ideale Reisezeit gilt die Tage von Ende Oktober bis Ende März. Aber es kann trotzdem feucht und heiß werden!

 Anreise:

Es gibt Flugverbindungen von den verschiedensten Flughäfen Europas. In der Regel wird man einmal umsteigen müssen. Die Preise variieren je nach Anbieter und Reisezeit. Als Maßstab gilt das Internet. Reisebüros waren teilweise deutlich teurer, Reisemärkte günstiger oder auf gleichem Niveau wie das Internet, folglich lohnt sich der Vergleich. Die Visa und der Geldumtausch werden am Flughafen gemacht. Der Reisepass muss noch 6 Monate gültig sein, zum Fahren eicht der EU- Führerschein. Das Visum gilt wahlweise für 10 Tage (10€) oder 20 Tage (40€).

Geld:

Landeswährung ist Rial Omani, und kann ungefähr 1:2 zum Euro umgerechnet werden. Umtausch ist am Flughafen möglich. Der Kurs ist hier zwar schlechter, dafür hat man mit dem Beleg die Möglichkeit wieder zum gleichen Kurs zurück zu tauschen. In größeren Städten und auf  einigen großen Rasthöfen gibt es Geldautomaten.

 Mietwagen:

Es ist von Vorteil, wenn man eine Mietwagenstation mit Vertretung am Flughafen wählt. Die großen, bekannten Vermieter sind vertreten und man kann den Wagen bequem über das Internet von hier aus buchen. Offroadfahrten sind offiziell mit dem Mietwagen verboten (Ausnahme Mark Tours) allerdings gibt es zahlreiche Ziele, die nur über Pisten zu erreichen sind. Die Fahrzeuge sind ausnahmslos Benziner, die immer über eine Klimaanlage verfügen.

 Verpflegung und Trinken.

Trinkwasserhygiene ist auch im Oman ein absolutes Muss, um Magen- Darmerkrankungen zu vermeiden, die bei den vorherrschenden klimatischen Bedingung schnell zur Austrocknung führen können.

In den Restaurants werden zahlreiche Speisen angeboten, meist mit Reis als Beilage, da alles gekocht ist, gab es auch keine Beschwerden. Vorsicht beim Salat! In den größeren Tankstellen und Rasthöfen kann man seine Vorräte ergänzen. Vorteilhaft ist, wenn man gefriergetrocknete Mahlzeiten von hier aus mitbringt, da man ohne Kühlbox auskommen muss. Cola, Wasser, Limo, sowie Fruchtsäfte sind i. d. R. überall erhältlich, und auch Kekse stellen kein Problem dar. Somit steht einem entspannten Urlaub nichts im Wege. Wir haben auf offenem Feuer gekocht, da die Mitnahme eines Gasbrenners mit Kartuschen nicht möglich ist (Gefahrgut!). Gezahlt wird immer bar, was bei uns ohne jegliche Probleme von Statten ging. In größeren Städten und auf  einigen großen Rasthöfen gibt es Geldautomaten.

 Ausrüstung:

Schlafsack, Isomatte, gutes (!!!) Zelt, Metallheringe, etwas Werkzeug. Es kam häufiger zu Reifenschäden. Die Reparaturen nahmen viel Zeit in Anspruch und brachten nicht immer den gewünschten Erfolg. Besser nimmt man von hier ein Set Reparaturdochte mit und behebt den Schaden selbst. Eine Sandschaufel leistet in den Dünen gute Dienste! Ein Tarp kann bei Pausen den nötigen Schatten spenden.

Verständigung

Die Landessprache ist arabisch. Aber die Verständigung mit den Einheimischen läuft recht problemlos auf Englisch, da dies ein Pflichtfach auf den Schulen ist. Die meisten Straßenschilder sind 2-sprachig arabisch/ englisch.

Tourismus:

Das Sultanat ist touristisch kaum erschlossen. Wer mit dem geliehenen Fahrzeug auf Entdeckung geht sollte die großen trockenen Weiten bedenken die man aus Sicherheitsgründen auf keinen Fall alleine befahren sollte. Zudem sind Sehenswürdigkeiten nicht ausgeschildert und man fährt unbemerkt vorbei. So wird ein ortskundiger Führer schon fast zur Pflicht.

Für den gilt das Gleiche wie für alle Wüstentouren: Bergematerial, Kartenmaterial, Kompass und GPS absolute Pflicht und die Gruppe sollte idealer Weise aus mindestens 3 Fahrzeugen

bestehen. Es sind schon Einheimische verdurstet in ihren Fahrzeugen gefunden worden.

 

Um mehr von der Reise zu haben kann ich nur organisierte Tour mit jemanden der sich vor Ort mit Landschaft, Klima und Gepflogenheiten auskennt (z. B. www.discoveroman.eu) dringend empfehlen.