Ein Worldcruiser in Tunesien


Von Wolfgang Lindackers (No.001)

Im Frühjahr 2007 war es dann endlich soweit: 14 Tage Tunesien . 1 Sozusagen der große Sandkasten für Anfänger. Gebucht haben wir eine Woche geführte Tour über einen Reiseveranstalter.

Eine weitere Woche durften wir auf eigene Faust Land und Leute kennen lernen, da unser
90 PS-BJ45 als Hemmschuh für den Rest der Reisegruppe, bestehend aus J8, J7 und einem HJ60(!))  eingestuft wurde. Parkplatz vor Genua
Treffpunkt für die Reisenden war ein Parkplatz ca. 80 Kilometer vor Genua. Nach einer frostigen Übernachtung fuhren wir gemeinsam in den Hafen von Genua, um auf der Fähre „Carthage“ einzuschiffen.

Fähre "Carthage"; Tunis

Fähre "Carthage"; La Goulette

Das platzsparende Parken auf den Decks bereitete mir leichtes Unwohlsein. Die Handbremse des Worldcruisers befindet sich am Getriebeausgang auf der Kardanwelle, somit ist durch das Spiel von Getriebe, Differentiale und Achsen eine leichte Bewegung des Fahrzeuges unvermeidbar. Naja, hoffen wir auf eine ruhige Überfahrt. Wir wollen ja diesen in Wagenfarbe lackierten Stossstangen keine Kaltverformung verpassen…

Platzsparendes Parken
Einfahrt Hafe von Tunis

Einfahrt in den Hafen von Tunis

Während der eine oder andere Passagier seine letzte Mahlzeit über die Reling dem Meer opferte, waren wir dankbar über die gebuchte Vollpension. Das Geschaukel ließ sich in den Kabinen doch sehr gut aushalten Außenkabine auf der "Carthage". Nach 22 Stunden Überfahrt erreichten wir Tunis . Bei all meinen Fahrten habe ich eines im Hafen von Tunis gelernt: es ist jedes Mal anders: Statt links herum, geht’s rechts herum oder die Schalter für die Papiere befinden sich wieder ganz woanders oder andere Späßchen. Glücklich die Formalitäten erledigt, war unser nächstes Ziel Douz.

In einer mittelschweren Nachtfahrt fuhren wir dorthin, um morgens um 3 Uhr unser Lager auf dem Camping „Desert Club“ mitten in Douz gelegen, aufzuschlagen. Noch am gleichen Tag füllten wir unsere Vorräte in der Stadt auf, fuhren für 43 Cent/l tanken und machten uns startklar für den Sand.

Markt in Douz

Markt in Douz

Tankstelle außerhalb von Douz

Tankstelle außerhalb von Douz

Vermummung

Gefühlt war der Sandanteil in der Luft genauso hoch, wie am Boden. Während man hierzulande Probleme mit den Ordnungsbehörden bekommt, war unsere Vermummung im Land des Sandes praktisch Pflicht.

Wir verlassen Douz

Wir verlassen Douz im Sandsturm

Unsere Tagesetappe führte uns von Douz aus nach Ksar Ghilane. Nach einigen Kilometern Piste, gab es im Cafe „La Port du Desert“ die erste Pause. Dort gab es für alles Reisenden erstmal einen Tee. Abgesehen von der Farbe, den Schwebstoffen und 23 Löffeln Zucker, habe ich den Tee als nicht giftig einstufen können. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

Café du Desert kurz nach Douz

Am "Café Port du Desert" kurz nach Douz und vor den ersten Dünen...

Das Innere des "Café Port du Desert"

Das Innere des "Café Port du Desert"

Unser Weg führte uns über das „Tor des Sandes“, vorbei an einem Brunnen zur Oase Ksar Ghilane. Mitten in der Oase befindet sich ein kleiner Badesee, umgeben von Cafés. Nach einem ausgiebigen Bad im 35 Grad warmen Wasser gönnten wir uns noch einen Tee im Café.

Auf dem Weg nach Ksar Ghilane

Auf dem Weg nach Ksar Ghilane

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Die "Badewanne" in Ghilane

Die "Badewanne" in Ghilane

Touristen halt... ;)

Wir schlugen unser Nachtlager im inneren der Oase auf. Am nächsten Morgenfuhren die anderen Reisenden in Richtung Süden, um sich im Sperrgebiet ins Abenteuer zu stürzen (s.o.). Wir blieben noch einen Tag in der Oase. Die Ruhe und Gemütlichkeit dieser Oase muss in den Mittagsstunden allerdings der Touristenbespaßung weichen. Da kommen dann bis zu 30 Geländewagen als Kolonne hintereinander in die Oase geknüppelt, voll gestopft mit sieben Pauschaltouristen pro Fahrzeug. Sardinen haben da wesentlich mehr Platz in ihren Dosen. Dann geht’s los: Die Fahrzeuge rollen ins Zentrum der Oase, Türen öffnen sich und eine Dunstwolke versagter Deos entweicht in die Atmosphäre. Menschen japsen nach Luft und pellen sich aus den Geländewagen (Ich erinnere an die Sardinen).

Aufbruch in das Sperrgebiet

Aufbruch in das Sperrgebiet

Dromedar

Dromedar

Die Ruhe vor dem (An-)Sturm...

Die Ruhe vor dem (An-)Sturm...

Dann kommt Bewegung in die Sache. Alle stürmen in einer Schlange auf die gesattelten, noch ruhenden Kamele. Bitte jeder nur eins nehmen!! Dann rauf auf die Viecher, das Erinnerungsfoto gemacht, eine kleine Runde durch die Dünen geritten und gleich wieder runter vom Kamel. Schnell noch einen Tee getrunken und dann wieder rein in den Geländewagen und mit Vollgas raus aus der Oase. Wir müssen zugeben: Aus der Klappstuhlperspektive ist dieses Entertainment besser als Kino. Belustigt von diesen Ereignissen setzten wir jetzt unsere Reise als Einzelkämpfer fort. Um kein Risiko einzugehen, wählten wir die Piste von Ksar Ghilane nach Douz. In den meisten Reiseführern ist diese deutlich beschrieben und mit dem GPS auch kein Problem zu finden.

Das GPS weist den Weg

Das GPS weist den Weg

Wir verlassen Ksar Ghilane

Wir verlassen Ksar Ghilane

Der Vorteil solch viel genutzter Strecken ist, dass man im Schadensfall Hilfe von Vorbeikommenden in Anspruch nehmen kann.

Karawane

Karawane

So erreichten wir problemlos Douz. Begeistert von der Bewachung(auch nachts) und der Sauberkeit des Campingplatzes „Desert Club“, erklärten wir diesen als unser Basislager. Umgeben von netten, deutschsprachigen Urlaubern starteten wir von hier aus unsere Tagestouren, da wir nicht unbedingt alleine irgendwo draußen übernachten wollten. Erst ließen wir es gemütlich angehen. Wir sortierten das Chaos im Auto, da doch einige Teile der Beladung aufgrund der Pistenverhältnisse ihren Standort gewechselt hatten.

Karawane

Das "Kassenhäuschen" des Campingplatzes in Douz

In der Ruhe liegt die Kraft

In der Ruhe liegt die Kraft

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Die Stadt eroberten wir zu Fuß. So ist man mitten im Geschehen: Die Märkte mit ihren Gewürzständen, mit Säcken voller Bohnen und anderem trockenen Gemüse. Die eiligen Tiertransporte, gestresste Geschäftsleute, sowie das rege Treiben in den Werkstätten.

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Spicey!

Spicey!

Ein Blick über den Marktplatz in Douz

Ein Blick über den Marktplatz in Douz

Doppeldecker

Doppeldecker

Stressbewältigung

Stressbewältigung

Reifenwerkstatt (übrigens schnell, zuverlässig und sehr preiswert!)

Reifenwerkstatt in Douz (übrigens schnell, zuverlässig und sehr preiswert!)

Angeblich Landis Lieblingsplatz... ;)

Angeblich Landis Lieblingsplatz... 😉

Den nächsten Morgen starteten wir mit einer Fahr über das Chott el Djerid, einen ca 50 km langen Salzsee. Leider war das Wetter anfangs nicht auf unserer Seite. Bei der Fahrt über’s Chott musste ich feststellen, dass ein kleines Display auf dem GPS bei blattgefederten Kultautos nicht gerade von Vorteil ist. Die Zahlen wie z.B. Geschwindigkeit, sind dann nur noch schlecht zu erkennen. Der Ausflug zu den versteinerten Dünen am Ende des Chotts war ein voller Erfolg. Lediglich zum Fahren war nicht soviel Platz.

Straße zum Chott

Straße zum Chott

Mitten im Chott el Djerid

Vom Weg abgekommen?

Schwer abzulesen

Schwer abzulesen bei dem Geschüttel...aber achten Sie auf die Geschwindigkeit!

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Versteinerte Dünen

...hier geht´s eng zu!

...hier geht´s eng zu!

Zurück im Basislager planten wir eine Expedition zu einem Sandrosenfeld. Einer der Motorradfahrer hatte eine sehr gute Beschreibung zu einem Sandrosenfeld in der Nähe von El Faouar. Der Einstieg zu der Piste war dank der Koordinaten leicht zu finden. Allerdings möchte ich allen Reisenden, welche ihrem Auto keiner Steinigung unterziehen möchten, ans Herz legen diese Ecke zu meiden. Die Kinder dort sind sehr gut bewaffnet.

El Farouar

El Faouar

Wenn ihr die allerdings hinter Euch habt, wird es ruhiger und Ihr werdet durch die schönen Sandrosen-Funde entschädigt. Den Wegzoll zurück, vorbei an den Kids mussten wir allerdings mit der einen oder anderen Kaltverformung bezahlen.

Wir verlassen El Faouar

Wir verlassen El Faouar

Kleine Sandrose

Kleine Sandrose

Vom Abenteuer gesättigt, entschieden wir uns jetzt für eine Touristenattraktion. Mit einem Zug durch eine Schlucht. Ja, hört sich gut an…Die Anfahrt war bereits ein Spaß. Nach 50 Km ging der Worldcruiser einfach aus!!! Wat nu?? Erstmal Ruhe bewahren und den Schock bekämpfen. Die Ursachenforschung ergab: „Zusatztank leer“. Tja, mit einer Tankanzeige wäre das nicht passiert. O.K., der Punkt kommt mit auf die Verbesserungsliste.

Leicht verspätet, aber dennoch im zeitlichen Rahmen, erreichten wir den Bahnhof. Da stand er dann in voller Pracht: Der „Lezard Rouge“, ein traumhafter Zug aus der Gründerzeit. Wirklich wunderschön und echt nobel!. Und dann knallen die da ne Diesellok vor. Welch Grande Blamage! Da gehört doch wohl ne Dampflok vor!

Salonwagen

Salonwagen

Luxuriös!

Luxuriös!

Holz, wohin das Auge schaut

Holz, wohin das Auge schaut!

Salonwagen

Konferenzzimmer?

Eine Diesel-Lok?

Eine Diesel-Lok?

Nach der Abfahrt in die Seltja Schlucht war ich beeindruckt. Ich wusste gar nicht, dass es „Dieseldampfloks“ gibt… das Ding hat so gequalmt, dass die Dampflokromantik auch so hergestellt wurde. Es war weniger der Gestank des schwefelhaltigen Diesels, sondern mehr so das Brennen in den Augen. Langsam bohrte sich der Zug in die Schlucht, vorbei an malerischen Felsen bis zur Endstation. Hier wird Phospat abgebaut. Durch die eingleisige Stecke, war ein Umkoppeln der Lok erforderlich, was uns einen kleinen Aufenthalt bescherte. Dann ging’s gemütlich zurück.

Doch eine Dampf-Lok!

Doch eine Dampf-Lok!

Felsen

Felslandschaft auf der Strecke

Hier wird Phosphat abgebaut

Hier wird Phosphat abgebaut

Endstation!

Endstation!

Zurück mit Volldampf!

Zurück mit Volldampf!

Die Schlucht

Die Schlucht

Begeistert kehrten wir abends zurück ins Basislager. Unsere Zeit als Alleinreisende ging nun zu Ende. Der Rest der Truppe befand sich bereits auf dem Weg zurück aus dem Sperrgebiet. Wir machten uns auf den Weg zurück nach Ksar Ghilane, wo wir uns mit den anderen treffen wollten. Christiane übernahm das Ruder unseres Wüstenschiffs. Erst über die Piste, dann durch sandige Passagen. Der häufige Regen hatte die Wüste erblühen lassen.

Christiane am Steuer

Christiane am Steuer

Die Piste nach Ksar Ghilane

Die Piste Richtung Douz

Nicht nur Piste, auch Sand gab´s genügend!

Nicht nur Piste, auch Sand gab´s genügend!

Nach dem Regen explodiert die Natur!

Nach dem Regen explodiert die Natur!

Zurück in Douz

Zurück am Campingplatz in Douz

In einem kleinen Dünenfeld gab es dann noch schnelle Hilfe für einen eingesandeten Bremach. Die beiden Österreicher bedankten sich abends bei uns mit ein oder zwei Gläsern Wein und gaben dem Tag einen geselligen Abschluss. Am nächsten Tag warteten wir auf unsere Begleiter. Ein guter Zeitpunkt, um mit dem Worldcruiser noch ein wenig im Sand zu spielen und noch ein paar schöne Aufnahmen auf dem Weg zum französischen Fort (= Ksar) zu machen.

Bremach eingesandet

Bremach eingesandet

Jung´s im Sandkasten...

Jungs im Sandkasten...

Das eigentliche "Ksar (=Fort) Ghilane"

Das eigentliche "Ksar (=Fort) Ghilane" in der Nähe der Oase

Auch beim Streifzug durch die Oase entdeckten wir noch schöne Dinge: Unsere ständigen Begleiter, Interessantes in Wassernähe, alte Bekannte sowie schüchterne Durstige.

Spuren im Sand

Spuren im Sand

Die überall vorhandenen Käfer

Die überall vorhandenen Käfer

Brunnen in Ghilane

Brunnen in Ghilane

Alte Bekannte

Alte Bekannte

Schüchterne Durstige

Schüchterne Durstige

Nach einer Übernachtung fuhren wir mit der mittlerweile wieder kompletten Reisetruppe zurück nach Douz. Dort aßen wir alle gemeinsam zu Abend und besichtigten nach einer recht kurzen Nacht, in der wir Tiersprachen aller Art lauschen durften, am nächsten Morgen den Viehmarkt.

Die Extremreisenden sind zurück

Die Extremreisenden sind zurück!

Lautes (Vieh-)Treiben

Lautes (Vieh-)Treiben

Schnäppchen gemacht!

Schnäppchen gemacht!

Dann brachen wir Richtung Tunis auf:

Auf dem Rückweg nach Tunis

Auf dem Rückweg nach Tunis

Nach einer kalten Nacht in Hammamet, quälten wir uns durch die lange Warteschlange, um auf die „Carthage“ zu gelangen. Wir beobachteten von der Reeling aus das Ablegen der Fähre. Die Urlaubseindrücke waren schon gewaltig:

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Ein wirklich schöner Urlaub, hätte nur noch etwas mehr Sand sein dürfen… dachte ich so bei mir…“ Ich glaube, Du fährst im Herbst mal mit den Jungs alleine, da kannst du dann richtig im Sand spielen“ sagte meine Freundin neben mir. An dieser Stelle möchte ich eine der mitreisenden Frauen zitieren: „Männer bleiben Kinder. Das einzige, was sich ändert ist, dass der Sandkasten größer und die Autos teuerer werden…“ Ich muss da einfach noch mal hin!!!

(Und so geschah es dann auch – aber das ist eine weitere Geschichte!)


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