Das Kühlsystem und seine Probleme…

was tun bei zu hoher Temperatur?

Immer wieder lese ich im Forum das es zu Kühlproblemen kommt. Und natürlich gibt es immer wieder Schnellschüsse und blinden Aktionismus. Folge: die Ursache wird bekämpft, und das Problem besteht möglicher Weise weiterhin.

Das Kühlsystem ist recht einfach aufgebaut. Allerdings ist es auch unter normalen Bedingungen in der Lage nicht korrekt funktionierende Komponenten zu kompensieren, was die Ursachensuche deutlich erschwert.

 

Einen Spezialfall vorweg:

Bei Zylinderkopfschäden oder wenn die Zylinderkopfdichtung defekt ist, kann Abgas in den Kühlkreislauf gelangen. In dem speziellen Fall sinkt der Kühlmittelstand im Kühler und das Ausgleichgefäß bleibt trotzdem voll. Darum kontrolliert ab und zu beim kalten Motor auch den Stand im Kühler!

 Zurück zur Fehlersuche.

Sie sollte bei korrektem Kühlmittelstand, sauberen Luftfilter und normaler Keilriemenspannung beginnen.

Doch oftmals hilft das auch nicht weiter.

 

Bei Temperaturenproblemen wird allzu gerne der Viskolüfter als Verursacher dargestellt, weil er nicht richtig arbeitet. Unter normalen Bedingungen läuft er lose auf der Welle der Wasserpumpe mit. Durch das Öl in der Viskokupplung bekommt er bei laufendem Motor etwas Antriebkraft, der Lüfter bläst etwas Luft durch den Kühler. Das erzeugt naturgemäß einen Widerstand, wodurch der Lüfter wesentlich langsamer dreht, als die Welle auf der er sitzt. Die vom Kühler angesaugte Luft wird erwärmt und streift an der Kupplung vom Viskolüfter vorbei. Ist die Temperatur im Kühler hoch, wird diese Luft auch entsprechend wärmer, mit ihr die Kupplung des Lüfters. Ab einer bestimmten Temperatur sorgt ein Bimetall dafür, dass sich die Viskokupplung zunehmend schließt. Jetzt kann das Öl wesentlich mehr Kraft übertragen, der Lüfter läuft nun nicht mehr langsam auf der Welle mit, sondern ist durch das Viskoseöl (fast) starr mit ihr verbunden. Die Drehzahl des Lüfters steigt. Entsprechend mehr Luft wird durch den Kühler gesaugt, so dass bei mittlerer Drehzahl ein Orkan unter der Haube tobt.

Die Funktion des Viskolüfters kann schlecht vom Kunden überprüft werden. Dafür ist er aber schnell und einfach zu tauschen und verspricht der Werkstatt eine gute Marge. Doch so einfach ist es nicht! Darum gilt es bei Kühlungsproblemen logisch vorzugehen:

Das Rückrat bildet der Kühler. Ist er verkalkt oder das Netz zu können kann er die Hitze nur unzureichend abführen. Zudem bekommt der Viskolüfter zu wenige heiße Luft weshalb er erst zu spät oder gar nicht sperrt.

Gleiches gilt für das Thermostat, öffnet es nicht ganz, wird ein Teil des heißen Wassers wieder direkt in den Motor geleitet. Somit läuft das Triebwerk heiß und der Kühler bekommt nur einen Teil der Wärme. Er wird nur warm und der Viskolüfter läuft entspannt mit.

Meine Empfehlung bei Kühlproblemen:

Auch die Kühlflüssigkeit altert mit der Zeit. Darum ablassen und bei der Schadstoffsammlung abgeben. Fangt beim Kühler an. Ist er innen stark verkalkt oder hat er außen Flecken, bleibt euch nur der Gang zum Kühlerbauer.

Gibt es hier keine Probleme, könnt ihr euch dem Netz zuwenden. Es setzt sich mit der Zeit zu und bedarf eine Reinigung. Das lässt sich am besten um ausgebauten Zustand bewerkstelligen. Die Verschmutzungen einweichen lassen und dann mit dem Gartenschlauch und Sprühstrahl (!) von beiden Seiten vorsichtig durchspülen. Alternativ geht natürlich auch die Dusche im Bad. Diesen Vorgang so lange durchführen bis nur noch klares Wasser auf der anderen Seite des Netzes heraus kommt.

Ich bin neugierig, darum habe ich das durchgespülte Wasser aufgefangen und war sehr überrascht welche braune Brühe sich da angesammelt hat!

Wer jedoch ernsthaft glaubt, dass der Hochdruckreiniger eine schnellere alternative ist, dem sei geschrieben, dass er sich die Arbeit sparen und gleich direkt einen neuen Kühler zulegen soll. Ein normaler Kühler überlebt diese Tortour mit dem Hochdruckreiniger nicht!

Wo ihr den Kühler einmal ausgebaut habt, spült ihn mit klarem Wasser durch, es kann sein das sich untern ein kleiner Bodensatz gebildet hat der da nicht hin gehört.

Falls ein anderer Kühler vor dem Kühler verbaut ist (Ölkühler, Ladeluftkühler oder Kondensator der Klimaanlage) ist der gleich mit zu reinigen! Auf Grund des gewonnen Platzes kann (bei Klimaanlagen muss) dies im eingebauten Zustand erfolgen.

Wo das Kühlmittel einmal abgelassen ist, solltet ihr dem Motor gleich ein neues Thermostat spendieren:

1. ist es relativ günstig und steht somit in keinem Verhältnis zum neuen Kühlmittel.

2. habt ihr jetzt mehr Platz zum Schrauben

und 3. ist es nur ärgerlich, wenn man in absehbarer Zeit wieder ran muss. Zu dem bereitet der Austausch i.d.R. auch nicht viel Arbeit.

z. B. sind beim 1HZ nur 3 Schauben zu lösen. Bei der Ersatzteilbestellung solltet ihr die neue Dichtung nicht vergessen!

Als nächstes werft ihr ein kritisches Augenmerk auf die Wasserpumpe:

Hat sie vom Alter/ Laufleistung ihr Lebensende bald erreicht?

Sind im Umfeld Spuren vom Kühlmittel?

Hat das Lager Spiel?

Dreht sich das Lager rau?

Falls ihr eine Frage mit Ja beantwortet, oder nicht sicher seid, steht auf jeden Fall der Austausch an.

Ist alles wieder zusammen gebaut, Kühler und Ausgleichbehälter mit (Leitungs-) Wasser und Frostschutz auffüllen. Es gibt Motoren, die entlüftet werden müssen also beachtet die Herstellervorschrift. Nach dem Auffüllen warm laufen lassen, dabei die Heizung voll aufdrehen und das (ggf. die) Gebläse auslassen. Nach dem Abkühlen, Wasserstand im Kühler und Ausgleichsbehälter kontrollieren.

Eine Frage die man oft im Forum liest: Leitungswasser oder destilliertes Wasser? Glaubensfrage! Allerdings für mich nicht nachvollziehbar.

1. ist die Wassermenge recht klein,

2. kenne ich keine Nutzfahrzeugwerkstatt die destilliertes Wasser verwendet.

2. sind die Oberflächen riesig im Verhältnis zur Kaffeemaschine, die nach 5 Kannen Kaffe auch nicht restlos verkalkt ist.

3. Atmet das Kühlsystem (siehe Wasserstand im Ausgleichbehälter bei kaltem und heißem Motor) weshalb leider immer etwas Schmutz hinein gelangt.

4. sind Additive im Frostschutz die Kesselsteinbildung und Korrosion unterbinden sollen. Leibe Zweifler, sowas gibt es und es funktioniert tatsächlich, oder wann habt ihr zuletzt eure Waschmaschine entkalkt?

 

Was tun bei zu heißem Motor?

Nerven behalten! Last herausnehmen, wenn möglich Schubbetrieb. Klimaanlage aus, Heizung voll aufdrehen, Gebläse auf die höchste Stufe. Und das erst recht, wenn es draußen heiß ist!

An geeigneter Stelle so schnell wie möglich anhalten, den Motor laufen lassen und die Haube öffnen. Nur wenn jetzt ein Defekt offensichtlich ist (z.B. Keilriemen ab, Kühler undicht, elektrische Lüfter nicht laufen…) Motor abschalten, sonst laufen lassen und die  Temperatur beobachten. Außerdem kann man Wasser über das Kühlernetz träufeln das zusätzliche Verdunstungskälte gibt. Übrigens, der Viskolüfter sollte unter diesen Umständen längst seine Arbeit aufgenommen haben. Aber auch wenn der Viskolüfter nur mitläuft, sollte ein intaktes Kühlsystem bei offener Motorhaube voll eingeschalteter Heizung problemlos in der Lage sein die überschüssige Wärme im Standgas oder leicht erhöhter Leerlaufdrehzahl abzuführen! Nur wenn die Temperatur nicht sinkt, oder weiter steigt, den Motor abschalten!

Apropos Kühler, er sollte jetzt entsprechend heiß sein, falls nicht könnte das Thermostat nicht richtig öffnen oder der Wasserstand nicht stimmen. Erst wen die Temperatur wieder im Normalbereich ist, kann man die Fahrt vorsichtig fortsetzten und bei erster Gelegenheit auf Fehlersuche gehen.

Und es ist es keine gute Idee aus blindem Aktionismus eine Schaube durch den Viskolüfter zu jagen. Abgesehen dass ihr diese relativ teuer Teil vorschnell zerstört, bleibt das eigentliche Problem möglicher weise im Verborgenen mit entsprechenden Folgen.

Ihr wisst jetzt was zu tun ist, also wünsche ich euch viel Erfolg!!!

 

Grüße, Marcus, 007a