Tunesien 2010

von Johannes (No.002)

(Click here for online-translation to the norwegian language)

wolfgang baggert mit dem BJ45

„No Plan“ is a „Good Plan!“
So oder so ähnlich könnte das Motto der ersten in Eigenregie organisierten Reise der Blattfeder-Gang lauten, die vom 16.4. bis zum 01.05.2010 stattfand.

Blattfeder-Gang auf der Carthage

v.l.n.r.: Johannes, Gisela, Jan-Terje, Wolfgang und Runar

Unsere Gruppe, bestehend aus einem BJ45 (Wolfgang) und zwei HJ60 (unsere beiden Norweger Jan-Terje und Runar meine Beifahrerin Gisela sowie meine Wenigkeit) startete am 16.4. Bereits eine Woche vorher waren Freunde und Bekannte von uns mit drei Motorrädern (Honda AfricaTwin (Robert), 2 BMW-GS (Volli und Paul) und drei Autos (HJ60, 2 HZJ75) nach Tunesien vorausgereist. Bei unserer Ankunft in La Ghoulette am 18.4. wollte Felix mit seinem FJ40 zu uns stoßen.

Unsere LandCruiser asl Gruppenbild mit Dame

Unsere Fahrzeuge: Johannes 60er, Felix´FJ40, Jans 60er und Wolfgangs BJ45 Worldcruiser I (Foto: Gisela)

Die Motorradfahrer wollten wir am 19.4. in Douz treffen, die anderen drei Toyos einen Tag später in der Oase Ghilane. Dort angekommen, wollten wir uns von den Bikes trennen, um uns in das Dünen-Geschrabbel in Richtung Westen zur Algerischen Grenze zu werfen. Dorthin, das war uns allen von vornherein klar, würden uns die schweren Motorräder mit hoher Wahrscheinlichkeit kaum folgen können. Nach unserer Rückkehr aus den Dünen wollten wir uns dann am 27.4. mit den Bikes wieder in Ksar Ghilane treffen, um gemeinsam über Douz und Hammamet die Rückreise anzutreten. Soviel zur „Planung“. Der tatsächliche Ablauf gestaltete sich dann aber, zu unser aller Vorteil übrigens, „etwas“ abweichend…

Wolfgang (No.001) und ich hatten zusammen und unabhängig voneinander schon mehrfach Gelegenheit als Teilnehmer geführter Reisegruppen nach Nordafrika zu reisen. Unsere feste Absicht war es, die dabei gewonnenen Erfahrungen bei einer von uns selbst organisierten Reise auch umzusetzen. So litten wir nicht nur unter Lampenfieber, sondern waren auch gespannt, ob unser eigenes Konzept aufgehen und von den Mitreisenden angenommen werden würde. So wurde vom ersten Kilometer an bei Bedarf  ohne Diskussion angehalten und das Reisetempo auf Autobahnen lag stets bei gemütlichen 100 km/h (nach GPS). Das hält den Verschleiß gering und Stress außen vor. Wir machen Urlaub und haben Zeit!

Und so trafen wir uns am Freitag, den 16.4. um 10 Uhr an der Raststätte Bruchsal, um von dort aus über Basel nach Genua anzureisen. Die Anfahrt gestaltete sich, bis auf zwei Begegnungen „der 3. Art“ mit italienischen Kraft-fahrzeuglenkern, problemlos. Die beiden Fahrer waren ganz offensichtlich von latenter Todessehnsucht gepeinigt und es gelang ihnen damit mühelos, bis dahin vielleicht zaghaft und schüchtern geäußerte Bedenken, handfest und dauerhaft zu Vorurteilen zu zimmern…

Gegen 19 Uhr bereiteten wir unser Nachtlager in der Lombardei unweit der Autobahn in einem Pappelwald und noch etwa 120 km von Genua entfernt. In der Nacht regnete es stark. Nach ungestörter Nachtruhe und gemeinsamen Frühstück setzten wir unsere Reise gegen 10 Uhr fort, um schließlich gegen Mittag im Hafen von Genua einzulaufen. Erfreulich angenehm diesmal der Check-in: Ungewohnt schnell und völlig problemlos konnte ich alle notwendigen Formalitäten für unsere kleine Reisegruppe in kürzester Zeit erledigen. Nachdem alle Vorbereitungen für die Zeit auf der Fähre und die nach der Ankunft in Tunis zu erledigenden Zollformalitäten (Funk, GPS!) getroffen waren, konnten wir uns gemütlich zurücklehnen und der Dinge harren, die da kommen sollten. Ungewohnt wenig Andrang herrschte, kein Vergleich mit den Massen, die sich beispielsweise zur Osterzeit hier drängeln!

Jeder genoss die Wartezeit bis zum Einlaufen der „Carthage“ auf seine Weise. Entweder lesend, schlafend, essend oder bei PS-Plaudereien mit anderen Fahrzeugbesatzungen. Wie immer war Wolfgangs wunderschöner BJ45 „Worldcruiser 1“ (verdienterweise) der Publikumsmagnet. Bedauerlich war lediglich eine kleine Gruppe Jugendlicher, die völlig ruhig durch die Reihen der Fahrzeuge flanierten, wobei einer von ihnen jede Fahrzeugtür, an der sie vorbeikamen, einem Test auf Verschlossenheit unterzog. Wir nehmen einmal zu ihren Gunsten an, dies geschah, um bei versehentlich unverschlossenen Fahrzeugen den Eigner auf diesen Umstand hinzuweisen…

Die „Carthage“ kam pünktlich, das Ausladen ging schnell und so konnten wir recht flott ins Schiff einfahren und anschließend unsere Kabinen beziehen. Das Wetter war mittlerweile sonnig geworden und so genossen wir die planmäßige(!) Fahrt aus dem Hafen von Genua gemeinsam an Deck.

Wolfgang und ich warteten noch etwas länger. Ein gemeinsames Ritual sieht es vor, dass wir unser beider Sorgen zusammen in eine imaginäre Kiste sperren und diese dann in ausreichendem Abstand zur Küste (Zurückschwimmen unmöglich machen, sonst warten die Sorgen bei der Ankunft wieder auf uns!) gemeinsam über Bord werfen.

Nach einer spiegelglatten Überfahrt kamen wir am 18.4. ausgeruht und planmäßig(!) in „La Ghoulette“, dem Touristenhafen von Tunis, an. Dort trafen wir dann auch auf Felix mit seinem FJ40. Beim Anblick seines bis über das Dach beladenen FJ und vor allem der nicht mehr ganz jugendfrisch wirkenden Blattfedern (jaja…auch die altern…) kamen uns erste Bedenken bezüglich des weiteren Verlaufs der Reise. Aber wir hatten uns ja vorgenommen: „Alle fahren rein, alle fahren wieder raus!“ Wir beschlossen also erst einmal die weitere Entwicklung abzuwarten.

Bis auf Wolfgang, Volli (BMW) und mich waren alle anderen Teilnehmer zum ersten Mal in Nordafrika. So erschien es uns vernünftiger, die Anreise nach Douz erst am folgenden Montag anzutreten und die Nacht von Sonntag auf Montag (18./19.4.) auf dem Campingplatz „Samaris“ in Hammamet zu verbringen.  Dieser Campingplatz ist in vielerlei Hinsicht angenehm: Günstig und einfach zu erreichen, sehr sauber, recht ruhig und sehr sicher. So konnten am nächsten Tag alle Teilnehmer den Wandel der Landschaft während der Anreise nach Douz bei Tageslicht genießen und entsprechende Eindrücke gewinnen, was bei einer Nachtfahrt unmöglich gewesen wäre. Wir erreichten Douz (Camping „Desert Club“) am frühen Abend, aber noch bei Tageslicht, und wurden dort von zwei der ursprünglich drei Motorradfahrer, Volli und Paul, herzlich begrüßt. Wir erfuhren dann vom kapitalen Motorschaden von Roberts Honda Africa Twin und der vorzeitigen Heimreise ihres Besitzers. Sorry Robert! Sehr sympathisch empfand ich auch die Tatsache, dass sich das Personal am Platz an Wolfgang und mich erinnerte und uns damit das angenehme Gefühl gaben, bei Freunden einzukehren.

Nicht ganz unkritisch lauschten wir am späteren Abend den Informationen einer eintreffenden Gruppe von Eignern ganz hervorragend aufgerüsteter Landrover, die uns von geradezu beängstigenden Temperaturen in den Dünen südwestlich von Ksar Ghilane berichteten: 59° C im und fast 70° C oder gar noch mehr außerhalb des Fahrzeuges hätten sie gemessen! So so…

Unsere Gruppe unterwegs in den Dünen

Unsere Gruppe unterwegs in den Dünen (Foto: Gisela)

Man hatte uns auch noch vor den extrem weichen Sandbedingungen auf der Direktstrecke nach Ksar Ghilane gewarnt. Wir beschlossen aber, uns selbst ein Urteil zu bilden und die beiden schweren BMWs doch mitzunehmen. Wir wollten versuchen, die Anfahrt nach Ksar Ghilane auf der direkten, geradewegs nach Südosten führenden Strecke zu bewältigen. Die einzige Ungewissheit bestand aus der offenen Frage, wie sich die beiden Mopeds in den beiden zu durchquerenden Dünengürtelen verhalten würden. Wolfgang und ich übernahmen schon mal vorsichtshalber so gut wie alles Gepäck der beiden Motorradfahrer. So würden es Volli und Paul sicherlich etwas leichter haben…

Am Vormittag erledigten wir in aller Ruhe die notwendigen Einkäufe an Proviant und Getränken und betankten alle Fahrzeuge bis zum Stehkragen. Gegen 11 Uhr starteten wir dann in Richtung Ksar Ghilane, wo wir bis zum Abend eintreffen wollten. Sind ja nur knapp 100 km, die haben wir gleich…dachten wir!

Kurskorrekturen

Kurskorrekturen (Foto: Gisela)

Die Fahrt verlief zunächst glatt und beinahe ereignislos. Lediglich ein kleinerer Navigationsfehler des vorausfahrenden Fahrzeuges (ja, genau, ich…mea culpa!) sorgte für etwas Spannung und einen kleinen Umweg. Nach dem obligatorischen Tee im Café „Port de Desert“ warfen wir unsere Gruppe in den ersten Dünenriegel. Von wegen weich! Der Sand war durch die heftigen nächtlichen Regenfälle sehr feucht und damit glich seine Beschaffenheit der einer Betonpiste. Das war uns erst einmal gar nicht sooo unangenehm und wir kamen sehr gut und völlig problemlos voran. Ja, bis zu dem Moment als über Funk die Meldung durchkam, Volli wäre gestürzt, das Motorrad stark beschädigt. Mist! Bei Volli angekommen, konnten wir zu unserer Erleichterung feststellen, dass er mit dem Schrecken davongekommen und offensichtlich unverletzt geblieben war. Aber die BMW war bewegungsunfähig: Die untere Aluminium-Halterung am hinteren Zentralfederbein (Öhlins) war gebrochen.

Die teilweise schwarz verfärbte Bruchstelle zeigte, dass der Defekt sich offensichtlich schon längere Zeit angebahnt hatte und nicht erst plötzlich entstanden war. Wäre dieser Defekt bei hoher Geschwindigkeit auf einer Landstraße oder Autobahn aufgetreten: Hut ab zum Gebet! Aber alle Erleichterung half nicht dabei, das Motorrad aus den Dünen zu transportieren oder gar die Reise fortzusetzen.

Vollis BMW mit gebrochenem Federbein

Vollis BMW nach dem Beinbruch. Die Diagnose ist gestellt und es wird bereits erste Hilfe geleistet. Ärzte sind vor Ort und entwickeln eine Therapie. Alles wird gut werden! (Foto: Gisela)

Ruhender Pol in dieser Situation war Wolfgang: Er verteilte umgehend Aufgaben an alle und gab damit jedem die Gewissheit, sich nützlich machen zu können. Es wurde Kaffee bereitet, Feuerholz gesammelt, Abendessen und das Nachtlager vorbereitet. Die Schrauber unter uns, allen voran Jan-Terje, Rauno, Felix und Wolfgang, machten sich daran, den Schaden zu begutachten und eine Reparaturmöglichkeit zu entwickeln. Was nun folgte, ist für mich ein noch nie erlebtes Zusammenwirken einer Reisegruppe. Kein Gemotze, keine Aufregung, niemand stand nur herum! Jeder hat sich nützlich gemacht und auf seine Weise dazu beigetragen, aus dieser Beinahe-Katastrophe ein einmaliges Erlebnis zu machen, das den weiteren Verlauf der Reise maßgeblich beeinflusste.

Nachdem das defekte Federbein zerlegt, der Schaden begutachtet und eine Reparatur in den Bereich des Möglichen gerückt war, begann das Zusammentragen der vorhandenen Ressourcen: Hauptrolle spielte dabei ein 5 mm starkes Stück Flachstahl aus einer von Wolfgangs Zauberkisten.

Zuschnitt biegevorrichtung

biegevorgang konfektionierung

Mit Hilfe seiner modifizierten Akku-Bohrmaschine, einem Schraubstock an der Stoßstange, Gewindeschneider, Metallsäge sowie einer Schraube und einer 8 mm-Gewindestange entstand unter den geschickten Händen der Schrauber bald eine neue Halterung für das Federbein. Nach nur fünf (5!) Stunden war die BMW wieder fahrbereit. Nachtrag: Die Reparatur hat die ganze Tour gehalten und Volli ist damit bis nach Hause gefahren!

Ist das nicht ein richtiges Prachstück geworden?

Ist das nicht ein richtiges Prachtstück geworden?

Geht doch!

Die Stimmung während des anschließenden Abends am Lagerfeuer war von einer besonderen Atmosphäre geprägt: Jeder spürte, dass sich an diesem Nachmittag etwas Außergewöhnliches ereignet hatte. Unter dem Eindruck der gemeinschaftlichen Leistung beschlossen alle Gruppenmitglieder spontan von nun an für den Rest der Reise und unter allen Umständen zusammen zu bleiben. Auch wenn das bedeutete, dass die Toyotas  ihre geplanten Dünenritte nicht oder zumindest nur in stark reduziertem Umfang durchführen konnten. Eine Entscheidung, die keiner von uns zu irgendeinem Zeitpunkt bereut hat!

Am Nachmitag des 21.4. erreichten wir dann auch erfolgreich und ohne weitere Probleme die Oase Ghilane. Aber nicht, ohne eben noch einen bis weit über das Bodenblech eingesandeten Nissan Patrol eines Einheimischen befreit zu haben.  Jeden Tag eine gute Tat – wir wären perfekte Pfadfinder!

In der Oase angekommen, suchten wir uns einen schönen Platz zum Übernachten. Der war auch schnell gefunden. Ich machte mich dann auf die Suche nach den anderen drei Fahrzeugen, die uns ja bereits  für den Vortag erwartet hatten. Zwei Fahrzeuge konnte ich dann auch ganz in der Nähe finden, der dritte im Bunde hatte sich bereits in Richtung Djerba abgesetzt. Nachdem ich die Beiden von unserem Beschluss in Kenntnis gesetzt hatte, die Reise zusammen mit den Bikes fortzusetzen, entschieden sich Gerhard und Detlev den Lac Reched ein zweites Mal alleine anzufahren. Ich wusste, dass die Beiden hier waren, um sich richtig austzutoben und hatte vollstes Verständnis für ihre Entscheidung. Wir verabschiedeten uns herzlich und in aller Freundschaft bis zur gemeinsamen Heimreise mit der Fähre voneinander.

lager in ksar ghilane

In der Oase Ghilane

Unsere Gruppe genoss dann den Abend bei sehr angenehmen Temperaturen und wir saßen noch sehr lange zusammen. War schon komisch: Während ich bei früheren Reisen immer relativ früh zu Bett ging, saßen wir hier immer bis tief in die Nacht zusammen. Dazu standen die Autos und die Zelte nicht wie sonst jeweils 20-30 m auseinander, sondern wir bildeten stets eine Art Wagenburg mit den Tischen, Stühlen und der Feuerstelle in der Mitte.

sandsturm außerhalb der oase ghilane

Außerhalb der Oase tobt ein heftiger Sandsturm.

Am Morgen des 22.4. herrschte außerhalb der Oase heftigster Sandsturm. Bei Sandsturm den ganzen Tag im heißen Wagen, oder noch schlimmer, im Zelt zu verbringen, erschien uns nicht sehr erstrebenswert. So beschlossen wir, einen weiteren Tag einfach in der Oase zu bleiben. Faulenzen oder kleinere Reparaturen waren angesagt. Viele genossen in aller Ruhe und nicht nur einmal das ausgiebige Bad im Teich, während außerhalb der Oase den ganzen Tag der Sandsturm tobte. Später hörten wir von den beiden anderen Kollegen, dass sie die Fahrt zum See wegen der schlechten Sicht- und Witterungsverhältnisse abgebrochen und Richtung Norden ausgewichen waren. Ich denke daher, wir haben uns richtig entschieden, denn erst in der Nacht ließ der Sandsturm nach.

Hauptsache mit Kraft!

Paul gibt seiner Gummikuh die Sporen!

Am folgenden Tag (Freitag, 23.4.) verließen wir nach ausgiebigem Frühstück die Oase Richtung Süden entlang der Pipeline-Piste Richtung Bir Aouine. Nicht nur die Geländewagenfahrer wollten jetzt in den Sand, auch und gerade die Biker waren ganz heiß darauf, auszuprobieren, wie weit sie sich mit den schweren BMWs in die Dünen wagen konnten. So versuchten wir dann nach relativ kurzer Zeit in den Dünenriegel „einzusteigen“. Die Anwesenheit der Gruppe gab den Motorradfahrern das notwendige Gefühl der Sicherheit.

Wolfgang schiebt Pauls BMW an

Wolfgang hilft Pauls BMW wieder flott zu machen (Foto: Gisela)

Ohne zusätzlich durch schweres Gepäck belastet zu sein und mit der beruhigenden Gewissheit versehen, beim Steckenbleiben im Weichsand oder nach einem Sturz tatkräftige Hilfe durch die anderen Gruppenmitglieder zu erhalten, wagten sie sich schon bald erstaunlich weit und hoch in den Dünenriegel. Für die Anfänger unter uns veranstalteten wir derweil eine „Dünenfahrschule“.

dünenfahrschule

Dünenfahrschule

So hatten wirklich alle ihren Spaß, aber nach einigen Stunden in der prallen Sonne kamen doch erste Ermüdungserscheinungen auf. Hinzu kam, dass sich der anfänglich klare Himmel am Nachmittag immer dunkler verfärbt hatte. Ockergelbe Wolken ließen viel Sand in der Luft und damit nichts Gutes für den Abend vermuten. Ich entschied daher, dass wir den Abend und die Nacht auf einem 17 km südlich von Ksar Ghilane gelegenen Campingplatz verbringen sollten. So begaben wir uns, rechtschaffen abgekämpft, auf den Weg nach Norden zum Campingplatz.

Der Pool

Der Pool des Campingplatzes

Dort angekommen, stellten wir fest, dass wir die einzigen Gäste waren. Auch nicht schlecht! Besondere Begeisterung rief das Vorhandensein eines Swimmingpools hervor. Der Campingplatz ist übrigens eine echte Empfehlung wert: Sehr angenehme Duschen, hervorragende Toiletten, sehr sauberer Platz, sehr sympathisches Personal, gutes Essen, moderate Preise – Herz, was willst Du mehr?

Nach unserer Ankunft und ausgiebigem Bad stellten wir drei Dinge fest: Der Himmel war wieder blau, der Wind hatte nachgelassen – und wir hatten keine Lust zu kochen! Also bestellten wir Abendessen für die gesamte Truppe und ließen es uns wohl ergehen. Frisch geduscht und nach Zivilisation duftend, genossen wir das reichhaltige Menu: Suppe, Salat und Couscous mit Huhn. Echt lecker! Dabei wurde uns allen offensichtlich ein wenig offiziell ums Herz und so wurden die bisherigen Erlebnisse und der Verlauf der Reise von verschiedenen Teilnehmern im Stehen und äußerst wohlwollend beurteilt.

Abendessen im Restaurant des Campingplatzes

Abendessen im Restaurant des Campingplatzes

Nach dem Essen gingen wir zurück zu den Fahrzeugen. Wir saßen dort noch ein wenig zusammen und konzentrierten uns darauf meine Haribo-Vorräte zu dezimieren, als wir arabische Gesänge und Trommeln vernahmen. Wir gingen, neugierig geworden, wieder zurück zum Restaurant und gesellten uns zur Belegschaft des Campingplatzes, die sich offensichtlich den Feierabend schöntrommelte.

Deutsch-Tunesische Band formiert sich

Felix hat seine Gitarre aus dem FJ geholt - jetzt wird bunt!

Der weitere Verlauf des Abends ist mit Worten nur unzureichend zu beschreiben. Nachdem wir eine Weile den einheimischen Klängen zugehört hatten, holte Felix seine Gitarre aus dem FJ. Sehr schnell versuchten dann die Tunesier, Felix´ Blues-Improvisationen in ihre arabischen Lieder und Melodien zu integrieren. Das gelang ihnen auch nach kurzer Zeit ganz hervorragend!

Gisela mit Trommel

Gisi trommelt!

Damit nicht genug: Weitere Trommeln wurden herbeigeschafft und an die Gäste verteilt. Wer kein eigenes Instrument hatte, benutzte Besteck, Flaschen und Coladosen. Und es hob an ein Trommeln, Singen und Tanzen, welches bis in den frühen Morgen andauerte. Blues-Harmonien mit arabischen Rhythmen und Melodielinien – einfach unbeschreiblich! „Die Band“ war gegründet und gab ihr erstes Konzert! Neben unseren tunesischen Gastgebern überzeugten vor allem Volli, Felix und Wolfgang (…Wolfgang!!!!).

Es darf getanzt werden!

Unbeschreibliche Szenen...

Aber auch die beiden ruhigen und stillen Oberfranken Gisela und Paul gaben ihrer Begeisterung Ausdruck. Sehr erstaunlich das alles. Ganz gleich was mir in diesem Leben noch widerfahren wird, diese Nacht wird mir für immer in Erinnerung bleiben, soviel steht fest!

Auch unserer norwegischen Freunde Jan-Terje und Runar tauen merklich auf... 😉

In allerbester Laune verließen wir am Samstag den 24.4., den Campingplatz und begaben uns schnurstracks in die Dünen, um dort die nächsten zwei Nächte zur Abwechslung einmal in völliger Stille zu verbringen. Wolfgang, Jan-Terje, Rauno und ich starteten mehrfach zu ausgiebigen Dünenritten.

Sandspielereien sandspielereien2

Besonders beeindruckend die Performance von Jan-Terjes HJ60. Er hat den kreuzbraven 2H-Vorkammer-Diesel seines 60er mit einem Volvo-Turbolader und einem Ladeluftkühler aus einem Mercedes-Sprinter versehen. Das Teil marschiert wie Schmitts Katze! Sehr überzeugend der bärenstarke Antritt bereits aus niedrigsten Drehzahlen heraus. Mein 12HT dürfte sich da gerne eine dicke Scheibe von abschneiden…

Jan-Terje und Runar mit dem 60er bei der Arbeit...

Jan-Terje und Runar mit dem 60er bei der Arbeit...

jan and rauno do it in tunisia

Unsere norwegischen  Freunde waren offensichtlich rundum zufrieden. Sie konnten manchmal wegen des breiten Grinsens nur mit vollständig geöffneten Seitenscheiben fahren…

leistung genug im BJ45

Leistung und Performance satt!

Unmöglich zu übersehen war aber auch Wolfgangs Zufriedenheit mit der Leistungsfähigkeit seines nunmehr turbo-befeuerten BJ45. Mittlerweile dürften sich, jedenfalls meiner Meinung nach, auch beherzt bewegte, 24V-beatmete Toyos jedweder Couleur an dem Erfolgsteam „Wolfgang/ BJ45 Worldcruiser I“ in den Dünen die Zähne ausbeißen… ausgesprochen beeindruckend, was da abgeht! Dazu der Wohlklang aus der Brülltüte… ein Fest für die Sinne!

steil

Muss dieser Tamarikenbusch gerade hier herumstehen?

Muss dieser Tamariskenbusch gerade hier herumstehen? Da hieß es: Entweder schaufeln oder schleppen. Wolfgang ließ dann mal eben die Muskeln spielen - danke!

Ein Tag in den Dünen klingt aus

Ein Tag in den Dünen klingt aus, heißes Metall knistert leise, Ruhe entsteht...

felix genießt die wüste auf seine weise

...wird zu Harmonie.

Am Montag den 26.4. starteten wir nach gemütlichem Frühstück Richtung Nordost nach Chenini. Dies bedeutete etwa 80 km Waschbrettpiste der übleren Sorte. Hier zeigten sich dann in Deutlichkeit die Schwächen des überalterten Fahrwerks an Felix´ FJ40. Die brutalen Schläge der Piste gelangten ungedämpft zum Fahrzeug. Der Dachgepäckträger schwankte wie Schilf im Wind und musste alle paar Kilometer neu befestigt werden. Wir kamen nur sehr, sehr langsam voran. Aber wir blieben natürlich trotzdem zusammen. Auch diese Piste endete schließlich und wir bekamen bei Chenini wieder Asphalt unter die Räder. Wir erhöhten wieder den Luftdruck in den Reifen und setzten unsere Fahrt mit dem Mittagsziel der Hochebene von Béni Khedache (بني خداش) fort. Gegen Mittag kamen wir dort an und genossen das überwältigende Panorama. Nach der Mittagspause setzten wir unsere touristisch geprägte Sightseeing-Tour in Richtung Matmata fort. Nicht vergessen: Wir hatten einige Tunesien-Neulinge dabei. Matmata sollte man zumindest einmal gesehen haben… schon weil Star Wars-Fans dabei waren. Beeindruckend wie immer die fantastische Gebirgslandschaft. Zu beeindruckend scheinbar für unser Führungsfahrzeug, also mich… wieder einmal hatte ich mich ablenken lassen und an einer Verzweigung die Hauptstrecke nach Matmata zielstrebig verlassen. Wolfgang kamen bereits nach kurzer Zeit berechtigte Zweifel. Doch da ich immer noch Wegweiser nach Matmata neben der mittlerweile einspurigen Straße sah, die die Entfernung nach Matmata angaben, blieb ich stur und setzte den Weg fort. Das kostete uns zwar schließlich ca. 20 km Umweg und etwa 1 Stunde, aber die winzige Straße bot fantastische Ausblicke und wir gelangten schließlich doch noch nach Matmata – allerdings aus der Gegenrichtung! Von Matmata aus fuhren wir nach Tataouine. Dort bunkerten wir noch etwas Vorräte und suchten uns anschließend auf einer Anhöhe in der Nähe einen Platz zum Übernachten. Mannomann – das war vielleicht eine kalte Nacht! Wir waren derartig niedrige Temperaturen einfach nicht mehr gewohnt. Viele von uns, wenn nicht alle, wären am liebsten wieder zurück in die Dünen gefahren. Aber nicht nur wegen der Temperaturen…

Am Morgen des 27.4. (Dienstag) ging es einen Tag früher als ursprünglich vorgesehen zurück nach Douz. Dort war es dann wieder richtig heiß und sehr schwül. Am Campingplatz angekommen, schickte ich unserem tunesischen Freund Tahar eine SMS mit der Bitte, ob er uns am kommenden Tag nicht zum Sandrosenfeld hinaus begleiten könnte, damit unsere Mitreisenden die Gelegenheit hatten, selbst ein paar Souvenirs ausgraben zu können. Doch leider kam an diesem Abend keine Antwort. Nun, dann mussten wir es eben allein versuchen. Schade.

Am nächsten Morgen grübelten Wolfgang und ich über die günstigste Strecke hinaus zum Sandrosenfeld, die es sowohl Felix als auch Volli und Paul mit den beiden BMWs ermöglichen würde, uns zu begleiten. Doch auch dieses Problem löste sich sozusagen von selbst. Unser Freund Tahar erschien am Platz und führte uns anschließend alle zum Sandrosenfeld – auch die Motorradfahrer. Für ihn als professionellen Guide war es ein Leichtes, eine entsprechend geeignete Strecke zu wählen. Draussen angekommen, suchte, nein, fand man erst einmal Sandrosen. Anschließend buk Tahar für uns sein berühmtes Brot in der Glut des Lagerfeuers. Kurz, wir bekamen das volle Programm in komprimierter Form. Das war für uns alle noch einmal ein richtiger Höhepunkt!

Zurück am Campingplatz, luden wir Tahar noch zu unserem Abschlussessen im Restaurant des Campingplatzes ein. Nach dem Essen wurde es noch einmal „offiziell“: Wolfgang und ich begrüßten drei neue Mitglieder der Blattfeder-Gang: Jan-Terje erhielt die No.009, Rauno erhielt No.010 und Felix ist seitdem Mitglied No.011 – Herzlich willkommen!

Am Donnerstag verließen wir Douz um nach Hammamet zu gelangen, wo wir die Nacht zum Freitag wieder auf dem Campingplatz „Samaris“ verbrachten. Der Rest ist Routine: Samstag nach La Ghoulette, Ankunft in Genua am Sonntag, den 1. Mai. Alles verlief ohne Probleme.

Folgende Defekte waren zu vermelden: Gebrochenes Federbein BMW (selbst repariert),  mehrere Motorradblinker (ignoriert), ein Motorradrückspiegel (ignoriert), IPod-Ladekabel (kalte Lötstelle und gebrochene Leiterbahn, repariert), PC-Tastatur durch Sand zerstört (mechanisch wieder hergestellt, trotzdem Fehlfunktion. In Douz durch eine neue Tastatur für 7.- EUR ersetzt), nach 27 Jahren streikende Engel-Kühlbox (mehrere kalte Lötstellen im Thermostaten, mit Gaslötkolben beseitigt), 1 gebrochenes Federblatt im rechten hinteren Federpaket (OME) von Jans 60er; mit Edelstahl-Lochband fixiert, hat jedenfalls bis Norwegen gehalten…).

Sonnenuntergang in den Dünen

Sonnenuntergang in den Dünen

Das waren wundervolle Tage. Ich bin zwar noch nie so wenig gefahren, aber ich habe bestimmt in den letzten zehn Jahren nicht so viel gelacht wie während dieser Reise. Das macht Lust auf mehr – habt alle Dank dafür!

PS: Hier ist der Link zur deutschen Übersetzung von Jans Reisebericht

zufrieden

Zufrieden.


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