Libyen 2009

Ein Wintermärchen wird wahr

von Marcus 007a & Asia 007b

Man hört immer dass wir LandCruiser Fahrer anders seien. Gemeint ist nicht die Tatsache, dass wir die Autos als Reisefahrzeuge nutzen. Nein, es sind eigentlich gleich 3 Problemen mit denen wir behaftet sind. 1. sind wir Naturliebhaber,  2. haben wir Spaß die Fahrzeuge gepflegt im unbefestigtem Terrain zu bewegen und 3. haben wir dem Sandkasten nie so ganz dem Rücken gekehrt… Folglich sind wir dem Wüstenvirus seit Jahren verfallen und nutzen unsere Offroader entsprechend. Darunter Joannes mit seinem 25Jahre alten HJ60 und Wolfgangs 27-Jähriger BJ45 und ich mit meinen 13 Jahren jungen HZJ75, einen der letzten der konventionellen Bauart. Die Sahara hat uns fest in den Bann gezogen und letztlich war sie auch die Geburtsstätte der Blattfeder-Gang. 2009 hatten wir die einmalige Gelegenheit in Libyen tief in die Wüste einzudringen und zu erleben.

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Das Obligatorische Gruppenbild am Torbogen im Akkakus. Leider kann das Foto die unbeschreibliche Akkustik der 8 laufenden Motoren nicht wiedergeben.

Das Obligatorische Gruppenbild am Torbogen im Akkakus. Leider kann das Foto die unbeschreibliche Akkustik der 8 laufenden Motoren nicht wiedergeben.

Der Trend zu mehr Komfort und mehr Leistung hat auch vor den Fernreisefahrzeugen nicht halt gemacht. Und es kam wie es kommen musste, die Liebhaber älterer LandCruiser kassieren bei den Reiseveranstaltern immer wieder Absagen. Marode, kapriziöse Technik, zu viel Probleme, zu wenig Leistung, Klotz am Bein- nein Danke!

Unser Traumziel in Libyen tief in die Sahara vorzudringen rückte in weiter Ferne. Im Erzgebirge fanden wir mit Basti (003) endlich einen Veranstalter, der unsere Anfrage mit einer Gegenfrage treffend beantwortete- Euch mitnehmen? Ja natürlich, warum denn nicht?

Und so kam es, das im Febrauar bei Eis und Schnee im Erzgebirge unser Vortreffen abhielten und dem Traum ein gutes Stück näher kame.

Und der Traum wurde wahr: wir sind gestern in Tunis mit einer Gruppe von insgesamt 8 LandCruisern von der Fähre gefahren sind und stehen jetzt an der Tunesisch- Libyschen Grenze im Niemandsland. Schon bei der Einreise gelten besondere Spielregeln. Basti sammelt alle Pässe und Fahrzeugpapiere ein und übergibt sie der Agentur, die die Formalitäten- Einreisevisum und das Anmelden der Fahrzeuge in Libyen- erledigen. Für uns heißt das Nichtstun wodurch das Kribbeln im Bauch auch nicht gerade schwächer wird. Den beauftragten Agenten sehen wir dann erfreulich schnell wieder, so dass wir die Grenze verlassen.  Doch zuerst müssen wir tanken, Einkäufe erledigen und die Vorräte ergänzen. Das Angebot ist vielfältig, die Preise günstig, allem voran der Diesel mit 8ct/l!

Die Tankstellen sehen etwas ungewohnt aus, aber der Dieselpreis von 8ct/l entschädigt für alles.

Die Tankstellen sehen etwas ungewohnt aus, aber der Dieselpreis von 8ct/l entschädigt für alles.

Nach einer unerwartet kalten Nacht irgendwo im Abseits brechen wir auf nach Darj, das rund 600km weiter im Süden liegt.Die Etappe nach Darj führt uns auf einer gut ausgebauten Straße immer Richtung Süden. Wir entspannen und dringen immer tiefer in die Sahara ein. Die hügelige Landschaft ändert sich je weiter wir in die Sahara vordringen. Von spärlich begrünt über Karg zu absolut vegetationslos. Es ist warm, das Asphaltband zieht sich bis zum Horizont.  Bei einem Tempo zwischen 95 und 100 brummen die Motoren ihr sonores Lied. Rechts der Straße zieht sich eine Hochspannungsleitung- Abwechslung ist was anderes.

Und es gibt doch Abwechselung, in Form einer Herde wilder Kamele

Die Anzeigen sind wie festgetackert, so soll es auch sein. Später taucht neben der Straße eine über zig Kilometer lange, riesige Baustelle auf. Libyen ist das einzige Land der Erde das keinen Permanenten Fluss hat. Jetzt soll mit dem Man Made River Project, ein Vorhaben der Superlative, Wasser aus dem Süden des Landes durch eine Pipeline nach Norden gepumpt werden. Unzählige LKW transportieren Betonrohe von der Küste zu den jeweiligen Bauabschnitten, wo einer Armada aus Baggern sie unter die Erde verlegt.

In Darj werden die Tanks bis zum Stehkragen gefüllt. Nicht Wasser, sondern Diesel ist die wichtigste  Flüssigkeit in der Wüste und darf einfach nicht ausgehen! Wenn das Wasser knapp wird, kann man die Route ändern und notfalls nachts durchfahren, wenn aber die Tanks leer sind…

Alle Fahrzeuge verfügen über Zusatztanks. Mindestens 250l Diesel muss jeder LandCruiser bunkern, eine Sicherheitsreserve ist mit eingerechnet.

Sonnenuntergang in Darj. Solche traumhaften Bilder sind in der Sahara keine Seltenheit.

Sonnenuntergang in Darj. Solche traumhaften Bilder sind in der Sahara keine Seltenheit.

Anschließend verbringen wir einen entspannten und geselligen Abend am Lagerfeuer. Es wird vorerst das letzte Mal sein, denn Holz zum Feuern werden wir nicht mehr finden.

Von Darj aus verlassen wir nun endlich den Asphalt und durchqueren die Sahara entlang des 11. Längengrads.

Ohne die typischen Staubfahnen macht das entspannte Fahren auf der Piste Spaß und wir kommen gut voran.

Ohne die typischen Staubfahnen macht das entspannte Fahren auf der Piste Spaß und wir kommen gut voran.

Wir fahren jetzt über Pisten und immer wieder tauchen Wellblechpassagen auf.

Das berühmte Wellblech ist auf den Pisten leider allgegenwärtig

Es rüttelt und vibriert im ganzen Fahrzeug. Einzige Gegenmaßnahme: Augen zu und voll aufs Gas! Bei 65-70km/h fliegt das Fahrzeug nur auf den Kuppen der Wellen. Größere Unebenheiten werden von straffen Fahrwerk ausgebügelt und es endlich kehrt Ruhe ein. Einziger Nachteil: Die Reifen haben nur Kontakt mit den Spitzen der Wellen und der Bremsweg gleicht jetzt dem eines Supertankers. Egal, es gibt hier nichts wo vor man bremsen muss! Bald verlassen wir die Pisten und navigieren frei über die Schotterwüste. Man hört oft von Orten die so aussehen als wären sie vom Mond, doch das passende Gefühl dazu bekommt man erst hier. Bei der Stundenlangen Fahrt durch die Weiten der Sahara ist kein Grün und auch keine Spur vom Menschen zu Entdecken.

Immer wieder beeindruckt uns die Sahara mit ihrer Größe und den endlosen Weiten.

Dafür erleben wir die Wüste mitsamt ihren athemraubenden schönen landschaftlichen Formationen. Wir sind völlig alleine, schön das auch hier die LandCruiser absolut zuverlässig ihren Dienst tun. Doch morgen werden wir im Sand Fahren und dann kommt harte Arbeit auf die Motoren, Getriebe und Achsen zu.

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Auch in der Sahara gibt es Leben, aber es ist schwer zu finden- so wie diesen perfekt getarnten bunten Kameraden.

Auch in der Sahara gibt es Leben, aber es ist schwer zu finden- so wie diesen perfekt getarnten bunten Kameraden.

Am Abend erreichen wir endlich die Dünen. Ein fieser Wind bläst uns Sand um die Ohren, zu dem fängt es auch noch an zu regnen. Zum Glück hört der Regen bald wieder auf. Dafür legt der Wind zu und föhnt den Sand viel zu schnell wieder trocken der dann wieder durch die Luft fliegt. Um die Augen zu schützen ziehen wir Skibrillen an und bekommen ein kostenloses Ganzkörperpeeling.

Was hier nach Sibirienexpedition aussieht, soll ein geselliges Zusammensein in der Sahara ermöglichen, denn die Temperaturschwankungen sind hier nicht ohne.

Was hier nach Sibirienexpedition aussieht, soll ein geselliges Zusammensein in der Sahara ermöglichen, denn die Temperaturschwankungen sind hier nicht ohne.

Doch irgendwann hat man genug davon und Wellness ist auch was anderes. Wir ziehen uns in die Fahrzeuge zurück. Draußen bläst jetzt auch kein Wind mehr, denn der hat sich zum richtigen Sturm entwickelt und es regnet erneut- ein Glück für den Lack. Wir kuscheln uns in unsere Schlafsäcke und freuen uns auf die morgige Dünenpassage.

Die Dünen sind verschachtelt und das GPS zeigt in eine Richtung die nicht zu fahren ist. Aber genau das ist der Reiz, das unmögliche möglich zu machen und ein Weg durch die labyrinthartige Hügellandschaft zu finden. Wichtig ist dabei den Hintermann nicht aus den Augen zu verlieren. Steht er heißt es anhalten. Wenn das alle machen, bleibt die Gruppe immer zusammen.

Durch den Vordermann bekommt man eine Vorstellung wie es hinter dem Kamm weiter geht.

Der Sand zerrt zwar an den Kräften der Motoren, ist dafür aber äußerst verzeihlich gegenüber dem heiligen Blech. Es gilt vor allem den Schwung zu halten und flüssig zwischen- und über den Sandhügeln zu zirkeln. Doch manchmal reichen Wendigkeit und Rampenwinkelmacht nicht aus, und der weiche Sand muss mit der Stossstange passend geschoben werden. Man kann das was wir hier machen auch als Achterbahn fahren bezeichnen und es macht einfach einen Sauspaß!

Nach den Dünen geht es weiter über die schier endlosen Ebenen.

Die Abende verbringen wir grundsätzlich gemeinsam. Nachdem das Nachtlager aufgeschlagen wurde hat man genug Zeit die Wüste zu genießen.

Ein schöner Nachtlagerplatz ist in den Dünen schnell gefunden

Beim Sonnenuntergang wechselt die Farbe des Sandes und die Dünen werfen markante Schatten. Ein Schauspiel das sich allabendlich wiederholt und uns immer wieder auf die Dünen treibt. Gekocht und gegessen wird in kleinen Gruppen, danach setzt man sich gemütlich zusammen und führt die obligatorischen Dieselgespräche oder lässt Erlebnisse vergangener Reisen Revue passieren.

Nach dem Frühstück geht es weiter nach Süden. Das Gelände ist tief zerfurcht und eine Piste gibt es nicht. Somit sind wir gezwungen immer wieder in diese Täler abzusteigen um uns weiter südlich wieder eine Stelle zu suchen, wo wir wieder herauskommen. Der Abstieg über den Schotter ist steil und holperig, langsam wanken die Cruiser hinunter. Unten angekommen befindet man sich im Weichsand. Somit gestaltet sich das Herauskommen aus diesen Schluchten schwierig, denn es ist nicht möglich Schwung aufzubauen. Beim Herausklettern über den Schotter ist dann nicht die Leistung sondern ein bewegliches Fahrwerk wichtig, damit alle 4 Räder immer ausreichend Traktion behalten. Hier zeigen die, allgemein als störrisch geltenden, Blattgefederten Starrachsen eine ungeahnte Beweglichkeit. Unter diesen widrigen Bedingungen geben sich die älteren Fahrzeuge keine Blöße und halten problemlos mit.

Es geht hinunter ins Tal, wie wir da wieder herauskommen wird sich ergeben.
Eine Abfahrt ins Ungewisse, aber wir haben keine Wahl
Wichtiger als Geschick und das Vertrauen auf die Fahrzeuge ist die ausgiebige Suche nach einem möglichem Weg hinaus aus dem Tal.

Wichtiger als Geschick und das Vertrauen auf die Fahrzeuge ist die ausgiebige Suche nach einem möglichem Weg hinaus aus dem Tal.

Am Ende des 3. Tages steht zum Abschluss ein großes Weichsandfeld zur Durchquerung an, dann erreichen wir die Asphaltstraße nach Al Awaynat und der 11. Längengrad ist gemeistert. Die Straße selbst hat ihren Zenit seit Jahren überschritten und ist mit Längs- und Querbuckeln zerfurcht. Doch wie bei der Piste, reduziert sich bei ausreichend Geschwindigkeit das Poltern und Rumpeln auf ein äußerst erträgliches Maß und schließlich haben wir nun andere Gedanken im Kopf. Auf dem Campingplatz warten warme Duschen auf uns, die ersten seit der Fähre!

Morgens fahren wir zum Tanken in den nächsten Ort Ghat, der noch mal 120 km weiter südlich liegt. Wir sind jetzt fast im 3- Ländereck Libyen, Algerien, Niger. Leider müssen wir die 120km wieder zurück nach Al Awaynat, denn nur vom dort können wir einen Trip durch das Akkusgebirge starten.

Ungewohnte Bilder die vom Mond stammen könnten, zwischen dem Stein ist nur der weiche, gelbe Sand. Es gibt hier keinen Baum oder Strauch.

Kontrastprogramm, zwischen dem Stein ist nur der weiche, gelbe Sand. Vegetation? Fehlanzeige!

Es gibt genug Fotomotive, zum Größenvergleich müssen immer wieder unsere Fahrzeuge herhalten.

Ein Stein der mit Fantasie an den Kopf der Sphwings erinnert. Die Größe und die Weite kommt durch die LandCruiser richtig zur Geltung.

Ein Stein der mit Fantasie an den Kopf der Sphwings erinnert.

Für ein besonderes Motiv, wage ich mich, mit dem 75-er vor einem Felstor hinab in den Sand. Treu dem Motto mal verliert man und mal gewinnen die Anderen, stelle ich gleich zwei Dinge fest: 1. ist das Foto nicht ganz so wie erwartet und 2. habe ich mich gerade gnadenlos eingesandet. In der prallen Mittagssonne kommen jetzt Schaufel und Sandbleche zum Einsatz. Zusätzlich nehme ich gerne die freundschaftliche Bergehilfe von Johannes mit seinem 60.5-er in Anspruch. Es sollte jedoch das einzige mal sein, das wir zum Havaristen wurden.

Von alleine geht hier nichts mehr. Ich muss zugeben ich hatte schon bessere Ideen.

Von alleine geht hier nichts mehr. Ich muss zugeben ich hatte schon bessere Ideen.

Die dunklen Tafelberge sind in weichen gelben Sand eingebettet. Der Weg führt uns immer wieder zu neuen Felsgravuren und Felsmalereien. Diese frühzeitlichen Kunstwerke werden von Experten auf 8000- 12000 v. Ch. Geschätzt. Die dargestellten Tiere lassen auf eine artenreiche Flora und Fauna schließen. Auch wenn man es uns gerne so verkauft, aber das ist einer der vielen eindeutigen Belege, dass der Klimawandel doch kein Phänomen der Neuzeit ist.

In der Regel geben die Malereien Jagdszenen und eine Tierwelt wieder, die wir eigentlich aus der Savanne kennen.

In der Regel geben die Malereien Jagdszenen und eine Tierwelt wieder, die wir eigentlich aus der Savanne kennen.

 

Die LandCruiser haben hier wieder leichtes Spiel und laufen wie Schweizer Uhrwerke.

Freier Formationsflug über die Ebenen im Akkakus

Die 3 Tage vergehen wie im Flug und wir sind wieder auf der holperigen Straße unterwegs, diesmal nach Norden zur Enge von Tikerkiba. Hier grenzt der Fels fast direkt an die Dünen. Hinter dem Campingplatz türmt sich ein Gebirge aus Sand vor uns auf. Hier ist die Einstiegsdüne zu den Mandara Seen.

Das Sandgebirge im Hintergrund ist die Einstiegsdüne! Zu den Mandaraseen geht es nur da drüber!

Die müssen wir als erstes meistern! Doch zunächst heißt es wieder Tanken und Vorräte ergänzen. In den Geschäften werden wir von der sehr herzlichen Gastfreundschaft der Libyer überwältigt. An den Tankstellen wird für uns eine Dieselsäule reserviert, die LKW- Fahrer begnügen sich mit der anderen. Was bei uns zu Tumult und Revolte führe würde ist dort selbstverständlich, denn wir sind Gäste in einem völlig fremden Land.

Wir sind völlig fremd, selbst die Straßenschilder sind für uns keine Hilfe!

Als wir am Abend die Toyotas einem ausgiebigen Check unterziehen, sehen wir wie Einheimische mit ihren alten FJ60 LandCruisern bei Vollgas die Dünen erklimmen. Es ist also zu schaffen! Aber deren Fahrzeuge sind nicht beladen und haben weniger Treibstoff an Bord, wodurch sie geschätzte 400Kg leichter sind. Zudem sind es sind 4,0l Benziner, sie haben also rund 80 PS mehr unter der Haube.

Damit die Stollenreifen mehr Traktion und Auflage haben, wird der Luftdruck auf 1 bar abgesenkt. Noch vor dem morgendlichen Briefing werden alle LandCruiser ausgiebig auf Betriebstemperatur gefahren, denn wir werden die Fahrzeuge verdammt hart am rannehmen müssen.

Das Prozedere ist einfach. Während Basti die Spur legt, warten die anderen um dann Fahrzeug für Fahrzeug zu folgen. Die Reduktion ist eingelegt, jetzt sind alle Gänge um den Faktor 2,3 Reduziert. Bei 3000U/min im 4 Gang ist man gerade mal 40 km/h schnell, dafür kommt entsprechend mehr Kraft an den Rädern an.

Es geht los, beschleunigen in den 4., dann Vollgas. Noch bevor die Höchstdrehzahl erreicht ist geht es steil hoch. Die Drehzahl fällt, also runter in den 3.  Doch das reicht noch nicht, schnell den 2. nachlegen. Die Reifen krallen sich fest, der Motor zieht durch. Die erste Kuppe ist geschafft.

Nur noch ein paar Meter, dann ist der 75-er oben!

So müssen immer wieder neue Dünen bezwungen werden. Das Vertrauen in die Fahrzeuge wird belohnt, denn auch mit deutlich weniger Leistung und mehr Gewicht arbeiten sich die LandCruiser eisern die Sandberge hoch.

Hinter der Einstiegsdüne präsentiert sich eine Autobahn im Weichsand. Doch immer wieder müssen Dünen überstiegen werden, für Abwechselung ist also gersorgt.

Hinter der Einstiegsdüne präsentiert sich eine Autobahn im Weichsand, doch weitere Überstiege folgen.

Auch wenn Leistung ein Vorteil  ist, besteht die hohe Kunst darin genau auf der Spitze der Düne (fast) zum Stehen zu kommen. Erschwert wird das ganze dadurch dass der Sand auf den letzten Metern noch mal steil ansteigt und sehr weich wird. Der Kamm ist so spitz ist das die Cruiser trotz großer Bauchfreiheit grundsätzlich aufliegen und die Spitze planieren. Idealer Weise baut man Grundsätzlich erst einmal viel Schwung auf, das was zu viel ist, wird durch Gaswegnehmen an der Spitze gezielt vernichtet. Doch jede Düne ist anders. Mal ist der Sand doch etwas fester als geschätzt und die Vorderachse hebt ab, oder doch etwas weicher und man sitzt auf. Dann heißt es zurück und komplett neu Anlauf nehmen. Alle haben hier richtig Spaß, denn Dünenfahren beherbergt ein weit unterschätztes Suchtpotential.

Auch wenn es der Cruiser aufliegt, es hat so gerade gereicht ohne Hilfe drüber zu kommen.

Johannes mit jugendlichem Schwung, doch das müssen die Fahrzeuge wegstecken können.

Und hier draußen gibt es das wovon und Großvater immer erzählt hat, Kameradschaft. Wer Pech hat, sitzt auf der Spitze auf. Doch statt der Schaufeln holt man den Bergegurt hervor. Denn sofort hat ein 2. LandCruiser Anlauf genommen und hält unter dem Haveristen um ihn elegant aus der misslichen Lage zu ziehen.

Unter diesen extremen Bedingungen halten die Youngtimer gut mit und zeigen eindrucksvoll dass sie keinen Staub angesetzt haben.  Logisch dass Johannes im 60,5-er mit 136 Turbo PS lächelnd unterwegs ist. Aber auch das kleine Leistungsmanko des älteren BJ wird erstklassig durch das etwas geringere Gewicht und die gute Übersetzung kaschiert.

Die Mandara Seen sind eine beliebte Attraktion und so sind teilweise regelrechte Autobahnen durch das Sandgebirge gefahren worden. Doch mit der Zeit kommen wir immer schlechter voran. Der Druckprüfer gibt schnell Aufschluss. Die Reifen sind warm, die Luft hat sich ausgedehnt und den Druck auf 1,2Bar erhöht. Wir lassen erneut auf 0,9 Bar ab und kommen wieder besser durch.

So gelangen wir zum ersten See, der ausgetrocknet ist. Die Mandara Seen sind bis heute eines der ungelösten Rätsel der Erde. Die genaue Anzahl der Seen ist genauso wenig bekannt wie der Grund warum sie mitten in den Dünen nicht für immer austrocknen oder Versanden.

Etwas weiter Richtung Norden treffen wir auf den Gabron See. Der hat zwar Wasser aber die Qualität hält uns schnell davon ab, hier vor der malerischen Kulisse der Palmen und Dünen einem kurzen Bad zu frönen.

Hier mitten in den Dünen malt die Natur die schönsten Bilder.

Wer würde hier nicht gerne baden gahen?

Hier treffen wir einen der FJ60 wieder den wir Abends beim Erklimmen der Einstiegsdüne beobachteten. Er sieht den Umständen entsprechend gut aus und der Tacho steht jenseits der 560.000 km!

Wir ziehen weiter um uns vor einer langen Dünenabfahrt neu zu sammeln.

Wir fahren einzeln, erst wenn das vorherige Fahrzeug die Abfahrt gemeistert hat, ist der Nächste an der Reihe. Der Blick nach unten ist durch die Haube versperrt. Sobald die Vorderräder die Kante überrollt haben gibt es kein zurück mehr. Das Fahrzeug neigt sich unaufhaltsam immer mehr nach vorne und Adrenalin schießt in Blut. Erst als wir in den Gurten hängen können wir die komplette lange Abfahrt übersehen. Vom Motor gebremst schwimmt der LandCruiser auf einer Welle aus Sand die Düne herunter. Das Erlebnis solcher Abfahrten ist unbeschreiblich.

Es sieht von außen gefährlicher aus als es ist, vorausgesetzt man weiß was man macht.

Bis hier haben alle 8 Fahrzeuge die Strapazen problemlos weggesteckt, genau wie es ihre Besitzer von ihnen erwartet haben. Die Hauben werden nur zur täglichen Kontrolle geöffnet und so braucht der gemütliche Teil des Tages nicht lange auf sich warten lassen.

Morgen werden wir uns wieder auf dem Campingplatz einfinden um weiter westlich in den Erg Awbari einzusteigen.

Es ist noch recht früh als wir die Asphaltstraße wieder komplett vollgetankt verlassen und über eine kurze Piste zu den Dünen gelangen. Basti weist uns darauf hin die Motortemperatur stets im Auge zu behalten. Ist sie zu hoch, sollen wir sofort stehen bleiben.

Schon nach den ersten Metern wird uns klar was auf die Fahrzeuge zukommt. Wir fahren in einem riesigen Meer aus Sand, das Thermometer zeigt 37° an. Der Untergrund ist extrem weich, als würde der Beifahrer die Handbremse ziehen. Wir sind in der Reduktion und lassen die Tachonadel bei 40 stehen. Trotzdem laufen die Motoren fast permanent unter Volllast, vor allem dann, wenn es bergauf geht. Doch das Fahren ist auch für uns anstrengend. Die Temperaturanzeige bleibt ständig im Blick. Der Sand hat leichte Farbnuancen, zudem steht die Sonne fast senkrecht und wirft keine Schatten. Da jeglicher Bewuchs fehlt und es keine Steine oder Spuren gibt, kann man Unebenheiten oder Stufen nur sehr schwer ausmachen.

Wir fahren im größeren Abstand hintereinander in der Spur und sammeln uns an den Überstiegen an denen die Fahrzeuge etwas Kaltlaufen können.

Nach den Überstieg geht es weiter durch den weichen Sand bis zur nächsten Düne.

Als wir am Nachmittag anhalten schlägt mir eine unglaubliche Hitze aus dem Motorraum ins Gesicht. Aber auch die Temperaturen unserer Getriebe sind jenseits von Gut und Böse. Das sonst so zähflüssige Getriebeöl ist jetzt fast so dünnflüssig wie Diesel und die Dichtgummis extrem weich. Unter diesen Bedingungen zeigt sich an einem 24 Jahre alten Simmering von Johannes 60-er tatsächlich ein kleiner Öltropfen. Wir sind den Umständen entsprechend gut durchgekommen und beschließen zur Vorsicht die Technik über Nacht auskühlen zu lassen.

Und wieder schlagen wir unser Nachtlager in den Dünen auf, für uns jedes Mal ein Highlight

Der frühere Feierabend wird zum Entspannen genutzt. Es gibt ein wenig Holz, so das wir endlich im Sand Brot backen können. Vom Logenplatz einer Düne  genießen wir den malerischen Sonnenuntergang in der Wüste.

Keine Frage, die Natur ist der größte Künstler der Erde!

Morgens ist alles wieder kalt und dicht. Es kann es weiter gehen. Gegen Abend kommen wir aus dem Sand. Heute fahren wir wieder auf den bekannten Pisten den 11. Längengrad nach Norden, das Ziel heiß wieder Darj.  

Plötzlich taucht auf der Piste eine schwarze Ölspur auf und der BJ rollt aus. Sollte er nach allen Strapazen ausgerechnet hier seinen letzten Kolbenschlag ausgehaucht haben? Nein, nur ein Ölschlauch hat sein Ableben angekündigt und der Öldruckschalter schaltete unmittelbar den Motor aus. Es geht also auch ohne Hitech, und nach einer kleinen Reparatur meldet sich der Diesel bei vollen Kräften zurück zum Dienst.

One bites the Dust, das solche kleinen Defekte auch anders ausgehen können zeigt dieses Kunstwerk aus dem Akkakus

Der weiche Sand fordert seinen Tribut. Die Tanks sind relativ leer als wir Darj erreichen. Hier gibt es gleich 2 unangenehme Überraschungen: 1. liegt die Tankstelle trocken und 2. Färbt sich der Horizont dunkel.

Als wir den unseren Übernachtungsplatz erreichen zieht ein Sandsturm dicht an uns vorbei.

Zum Glück zieht dieser Sturm an uns vorbei, doch das sollte noch nicht alles gewesen sein.

Doch der Himmel klart nicht auf und wir ahnen nicht was uns noch erwartet. Es Dauert nicht lange und eine Gewitterfront bricht über uns herein. Es schüttet und hagelt- hier in der Sahara! Mein 75-er und Wolfgangs 45-er wurden komplett zum Expeditionsmobil ausgebaut und bei diesem Wetter wird drinnen gekocht. Als sich das Wetter ausgetobt hat, wollen wir das Essen genießen und wieder einen entspannten Abend verbringen. Doch der Blick nach Westen offenbart uns das daraus nichts wird. Wetterleuchten am Horizont kündigt die nächste Unwetterwelle an, die auf uns zurollt. Durch die Staubteilchen und den Wind wird die Luft permanent neu aufgeladen, wodurch es fast permanent blitzt.

Wir nehmen das Essen im Eilgang ein und ziehen uns wieder in die Fahrzeuge zurück. Hier beobachten wir die Blitze und plaudern noch ein wenig über Funk.

Bis zum Morgen erleben wir insgesamt 7 schwere Gewitter und das in einer der trockensten Regionen der Erde!

Morgen rollen wir weiter nach Norden. Unterwegs begegnen wir wieder vielen Einheimischen die uns freundlich zuwinken. Mellod, unser Polizist und ständiger Begleiter lädt uns zu sich nach Hause ein. Wieder eine sehr gastrundliche Geste, der wir mit kleinen Geschenken begegnen können.

Der J4 ist in weiten Teilen Afrikas das Arbeitsgerät schlechthin.

 

Hier wird nichts vom TÜV geschieden, so wird dieser Mazda wohl noch einige Jahre seinen Dienst tun dürfen

 

In den nächsten Tagen geht es ruhig zurück zu Fähre. Die Libyer, ein sehr offenes und stolzes Volk, haben wir von einer sehr herzlichen Seite kennen lernen dürfen, ganz anders als es uns die Medien verkaufen wollen.

Alle Fahrzeuge haben die Strapazen problemlos gemeistert, die Defekte belaufen sich auf Kleinigkeiten. Basti hatte also Recht behalten, die älteren Fahrzeuge waren nicht der Klotz am Bein sondern das Salz in der Suppe.

Zu Hause bekommen sie einen großen Ölservice, alle Filter werden gewechselt und die Radlager nachgezogen. Kurz sie sind bereit für die nächste Tour, denn Basti fragte schon beim Abschied: Und wann geht es wieder los?

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Guut gemacht Johann! Der 3B-Motor war älter und hat 2 Zylinder weniger als die anderen Motoren und hat eindrucksvoll gezeigt das Leistung nicht immer das Maß der Dinge ist.

Guut gemacht Johann! Der 3B-Motor war älter und hat 2 Zylinder weniger als die anderen Motoren und hat eindrucksvoll gezeigt das Leistung nicht immer das Maß der Dinge ist.

 

Und das Märchen endet am Gotthard wie es im Erzgebirge begann, bei kalten Temperaturen und Schnee.

Und das Märchen endet am Gotthard wie es im Erzgebirge begann, bei kalten Temperaturen und Schnee.